Originaltitel: AMERICAN OUTLAWS

USA 2001, 93 min
Verleih: Concorde

Genre: Western

Darsteller: Colin Farell, Ali Larter, Scott Caan

Regie: Les Mayfield

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American Outlaws

Fackeln im Sturm - tiefergelegt

Seit Clint Eastwoods ERBARMUNGSLOS hat sich Hollywood nur noch mit Zeitgeist-Western hervorgewagt: "Black" Western (POSSE), Eastern (SHANG-High NOON), Parodie (WILD WILD WEST). Auch AMERICAN OUTLAWS will gar nicht erst im gleichen Rennen mit den Großen des Genres antreten und begnügt sich damit, ein Pony in die Spur zu schicken: einen Boy- group-Western wie einst YOUNG GUNS.

Erzählt wird einer der verbreitetsten Stoffe des Hollywood-Kinos überhaupt: Jesse James überfällt Banken im Wilden Westen bis zum bitteren Ende. Nur: Bei Regisseur Les Mayfield wird Jesse James zu Jesse James Jr., ist der Westen nicht wild und das Ende nicht bitter. Überhaupt: nichts an diesem Film ist ungekämmt und schmeckt nach Leben. Alles ist klinisch rein und übersichtlich geordnet: Nord gegen Süd, Böse gegen Gut, Stadt gegen Land, Reich gegen Arm, Alt gegen Jung, Schnauzbart gegen Drei-Tage-Bart.

Als der Bürgerkrieg gegen die Yankees verloren ist, wollen die aufgelösten Südstaatler Jesse James und die anderen Jung-Farmer wieder das tun, was sie nach Schießen am besten können: "Den Mais pflanzen, den Mais ernten und den Mais essen." (Frank James) Aber Yankee-Eisenbahner und -soldaten lassen sie nicht, weil sie auf das Land der Heimkehrer scharf sind. Also mischen die schneidigen Maisfresser künftig Banken auf, nehmen den Reichen, geben den Armen, sprengen Gleise und Depots, schädigen die Infrastruktur des Gegners. Und sagen tatsächlich Worte wie "Infrastrukur" und "Gegner". Hilfe! Wo sind die halb-irren, verzweifelten Jesse-Raufbolde aus den früheren Verfilmungen, wo der notorische Großkotz aus den Lucky Luke-Comics? Jede Zeit kriegt wohl den Jesse James, den sie verdient.

Colin Farell als Hauptfigur ist ein Brad Pitt für Arme, ein blaßer Jüngling mit Eierschalen hinter den Ohren und dem ernsthaften Problem, unter der Last von zwei Pistolenhalftern nicht zusammenzubrechen. Ein guter Vortänzer bei den choreographierten Bankschießereien seiner durchtrainierten Boygroup. Ein aufrechter Patriot mit politisch korrektem Rebellentum. Von vorn bis hinten reiten, schießen, stechen, schlagen sich Jesse und Frank und die drei Younger-Brüder ohne hohen Blutverlust durch einen Hillbilly-Redneck-Square-Dance-Bilderbogen, eine Postkarten-Prärie ohne Schlamm und Schweiß und Samenfleck. Im Marlboro Country hätten sie wenigstens rauchen dürfen.

[ Christian Seichter ]

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