Originaltitel: FAITH CONNECTIONS

Indien/F 2013, 115 min
FSK 0
Verleih: NFP

Genre: Dokumentation

Regie: Pan Nalin

Kinostart: 30.04.15

Noch keine Bewertung

An den Ufern der heiligen Flüsse

Vom Bade in braunem Wasser

Zwei Hemden, einen Pullover und einen Talisman – mehr besitzt Kishan nicht. Später will er vielleicht Mafiaboß werden oder streng gläubiger Mönch, so genau weiß er das noch nicht. Das jedenfalls erzählt er seinen neuen Freunden: einem Polizisten, einem Milchmann und zwei Mönchen. Der Junge ist gerade mal zehn Jahre alt und quasi angstfrei, immerhin irrt er allein durch ein Zeltlager, das mehr Menschen Platz bietet, als in Deutschland zu Hause sind.

Indien, 2013: 100 Millionen Menschen Gläubige sind an den Zusammenfluß von Ganges, Yamuna und – dem unsichtbaren, mythischen Fluß – Saraswati gepilgert. Ihr Ziel: Sie wollen sich von ihren Sünden reinwaschen, unsterblich werden, und sie gönnen sich quasi zeitgleich ein Bad im braunen Flußwasser. Kumbh Mela nennen sie dieses Fest, eine Massenveranstaltung, die in hiesigen Breiten unvorstellbar ist und nur alle zwölf Jahre stattfindet. Zu den religiösen Hinduisten gehört der Querschnitt der Gesellschaft: Familien, Alte, Junge, Mönche, manche füllen sich das Wasser in Plastikkanister und nehmen es mit nach Hause. Reich ist hier keiner.

Es ist eine Reise in eine andere Welt. Der indische Filmemacher Pan Nalin hat sich mit der Kamera unter die Menge gemischt und einen fast surrealen Mikrokosmos bebildert. Menschen hausen auf extrem engem Raum in selbstgebauten Hütten, schieben sich betend, in farbige Gewändern gekleidet, über staubigen Boden, weißbemalte Männer tanzen nackt durch die Menge. Mittendrin hängt ein magerer Asket im Baum. Hatha Yogi Baba ist streng religiös und nur mit Lendenschurz bekleidet. Bis zu zwölf Stunden lang verharrt er in der selben, reichlich unwirtlichen Position. Wenn er nicht gerade der Welt entsagt, zieht er einen kleinen Jungen groß, der ihm zugelaufen war.

Die Kumbh Mela ist aber nicht nur bunt und laut, sondern auch zerstörerisch. Die Menschenmenge schluckt, wer nicht auf sich aufpaßt. Ein junges Paar sucht ihren 3jährigen Sohn. Er hatte am Ufer gespielt, während die Eltern ein Bad nahmen. Organ- und Menschenhändler kommen zum Zuge. Bereits nach 25 Tagen werden auf den 55 Quadratkilometern mehr als 135.000 Menschen vermißt. Tragik, Glück und Verheißung – das spiegelt der zweistündige Dokumentarfilm deutlich wider – liegen in diesem religiösen Spektakel ganz dicht beieinander.

[ Claudia Euen ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.