D 2002, 80 min
Verleih: Progress
Genre: Drama
Darsteller: George Quaye, Naomie Harris, Jimmy Akingbola, Maynard Eziashi, Jeillo Edwards
Stab:
Regie: Fritz Baumann
Drehbuch: Fritz Baumann
Kinostart: 03.04.03
Soll man sich mit dem zufrieden geben, was man hat? Oder lieber Risiken eingehen, um seine Wünsche zu verwirklichen? Für Zaza keine Frage: als Eislieferant in Westafrika vermag er wohl niemals, wirkliches Glück zu finden. Kumpel Kojo und dessen Freundin Carla sehen das ebenso. Alle drei werden bestärkt, als Sir Francis, einst nach Deutschland ausgewandert, heimkehrt. Jäh zieren Gartenzwerge das Haushaltswarenlädchen; die kleine Gruppe dagegen borgt Geld, um auf gefahrvolle Reise zu gehen, zunächst per Schiff.
Doch katastrophale Dinge passieren: blinde Passagiere sind an Bord des russischen Frachters nicht gern gesehen - Carla wird vergewaltigt, ein anderer Flüchtling stirbt. Schließlich an menschenleerer Küste ausgesetzt, irren Zaza & Co hilflos durch sengenden Wüstensand. Von Beduinen gerettet, finden sie in Spanien Arbeit; ihre Irrfahrt ist indes noch lange nicht am Ende.
Fritz Baumann sagt selbst, er habe einen unterhaltsamen Film, keine Dokumentation, drehen wollen, was ihm zweifellos gelang, und unbestritten wird ANANSI auf diesem Weg sicher mehr Aufmerksamkeit seitens der Kinobesucher erhalten. Dies ist natürlich positiv und bedeutend - dennoch darf man bei aller Freude darüber nicht verheimlichen, daß Baumann sich leider fast anbiedert. Er erzählt bemerkenswert intensiv, wenn die guten (aber furchtbar synchronisierten) Darsteller Gelegenheit bekommen, ihrem Schmerz oder ihrer Hoffnung Ausdruck zu verleihen. Diese berührenden Passagen bleiben jedoch nur Momentaufnahmen. Selbst potentiell wirklich an die Substanz auch des Publikums gehende Ereignisse wie der alptraumhafte Transport bleiben oberflächlich, werden einfach episodenhaft schnell abgehakt, denn schon schmettert Raggae-Barde Shaggy wieder einen coolen Song, während die Kamera in wunderschönen Bildern wie aus dem Urlaubskatalog schwelgt. Rote Abendsonne nebst plätschernden Wellen zur Umrahmung menschlichen Martyriums?
So entstand zwar ein letztlich recht sehenswertes und wichtiges Stück Kino, welchem man allerdings ungeachtet möglichen Erfolges größere Tiefe im Umgang mit seinem Thema gewünscht hätte.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme mit Wahrheit. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Und Frank kann GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...
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