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Anders essen

Empowerment in Sachen Nachhaltigkeit

Gibt es jemanden, der noch nicht darüber nachgedacht hat, woher die Produkte im Einkaufskorb stammen beziehungsweise, wie der eigene ökologische Fußabdruck aussieht? Für alle, die immer wieder hadern, wie Essen und Einkaufen nachhaltiger werden können, ist dies der perfekte Film. Und für alle anderen erst recht.

ANDERS ESSEN zeigt, wie Nachhaltigkeit auf dem Teller aussehen könnte und holt einen raus aus „So-schlimm-wird-die-eine-Avocado-schon-nicht-sein“-Illusionen. Glücklicherweise bleibt es nicht dabei, sondern durch aus dem Leben gegriffene Situationen wird gezeigt, wie man selbst gesünder und nachhaltiger einkauft, kocht und genießt. Nun kann man sagen, das haben Filme wie WE FEED THE WORLD, TOMORROW oder BAUER UNSER auch schon getan. Das Besondere an ANDERS ESSEN ist allerdings, daß es hier wirklich gelingt, das komplexe Thema so zu fassen, daß ich als Verbraucherin genau weiß, wo ich anfangen kann. Konkret. Morgen. Beim nächsten Einkauf.

Das liegt vor allem an einem Stück Land vor den Toren Wiens, nämlich dem extra für den Film angelegten „Acker des durchschnittlichen Verbrauchs“, auf dem für den Film genau jene Getreide, Gemüse, Früchte, Ölsaaten und Gräser gepflanzt wurden, die pro Person auf unseren Tellern landen – und die die Industrie unter anderem zu Futtermitteln für Tiere verarbeitet. Jeder Westeuropäer verbraucht durchschnittlich eine Fläche von 4.400 Quadratmetern (das ist so groß wie ein kleines Fußballfeld), von der zwei Drittel im Ausland liegen. Die Krux: Wir verbrauchen doppelt so viel, wie uns eigentlich zusteht. Würden sich alle Menschen so ernähren wie wir, bräuchten wir eine zweite Erde.

Der Film begleitet drei Familien aus Deutschland, Österreich und Frankreich bei dem Experiment, die Ernährung so umzustellen, daß sich ihre Ökobilanz spürbar verbessert. Sie alle merken, der Wechsel macht Mühe, ist aber machbar. ANDERS ESSEN gelingt es, wie schon dem Vorgängerfilm LANDRAUB, komplizierte globale Zusammenhänge verständlich zu machen und dem Publikum die Kraft zu geben, an diesen Zuständen etwas zu ändern. Am liebsten würde man direkt aus dem Kino in den nächsten Hofladen und danach ohne Umweg in die eigene Küche laufen und mit dem Kochen anfangen. ANDERS ESSEN macht wirklich Lust aufs Loslegen, ohne zu stark zu vereinfachen. Ein perfekter Film für diese Zeit – sowohl für die, die schon längst anders essen wollten, als auch für die, die bisher der Meinung waren, das wäre überhaupt nicht nötig …

Österreich 2020, 88 min
FSK 0
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation

Regie: Kurt Langbein, Andrea Ernst

Kinostart: 27.02.20

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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