D 2011, 98 min
Verleih: Filmlichter

Genre: Drama

Darsteller: Irina Potapenko, Florian Lukas, Tilo Prückner

Regie: Samira Radsi

Kinostart: 01.12.11

1 Bewertung

Anduni – Fremde Heimat

Zwischen allen Stühlen

Basiert das Gefühl von Heimat eher auf Emotionen, angelernten kulturellen Codes oder vielmehr auf Verpflichtungen, die diese beinhalten? Ein ewiges Thema.

Belinda pendelt zwischen mehreren Welten. Da wären die Herkunft ihrer Eltern, die aus dem armenischen Teil der Türkei stammen, die langjährige Beziehung zu ihrem deutschen Freund Manuel und ihr innerer Kosmos. Der scheint recht unentschieden, wohin die Reise gehen soll. Halbherzig betreibt sie ihr Studium, der Freund wird der Familie lieber konfliktvermeidend verschwiegen, aber die Übergriffe der armenischen Verwandtschaft, die sich gerne mal in das Privatleben der Restfamilie einmischt, kann sie auch nicht ertragen. Als ihr Vater überraschend stirbt, und sie sich mit ihrer Familie konfrontieren muß, geraten Belindas sorgsam getrennte Lebensrealitäten durcheinander.

Samira Radsi, die Filmemacherin, bedient sich leider fast durchgehend unterhaltsamer Migrations-Folklore, die armenische gegen die deutsche Familie im Schema laut/chaotisch/dominant versus steif/egozentrisch/kopflastig beläßt. Nur auf Nebenschauplätzen wird das verhandelt, was wirklich spannend ist: Welche Versatzstücke lassen uns die Geschichte unserer Herkunft bauen? Worin finden wir uns wieder, was hält uns am „Laufen?“

Belinda scheint ihren Vater nie gekannt zu haben. Sie sah nur den Säufer. Ihre Mutter wartete, träumte sich all die Jahre wieder zurück in die Türkei und vergaß dabei, das Hier zu leben. Inzwischen erbauten die Tanten Paralleluniversen aus armenischen Schneidereien, Friseurgeschäften und Imbißläden und arbeiteten für „das Wohl der Kinder.“ Unter all dem Geschnatter und Verkupple scheinen Frauenfiguren durch, die man hätte erzählen können: als pragmatische Überlebenskämpferinnen, etwas neidisch auf die Freiheiten ihrer Töchter blickend.

Man hätte auch mehr erfahren, was Belinda zu Belinda werden ließ, wenn die Zeit geblieben wäre, ein wenig länger bei dem offensichtlichen Mutter-Tochter-Konflikt zu verweilen. Und was übertrug sich vom erlebten elterlichen Ehemuster auf die Beziehung zu Manuel? Hübsch gefilmte Sexszenen und ein mystisches Ende im armenischen Kornfeld lassen nicht spüren, was die beiden verbindet oder eben auch nicht. Heimat ist das, was man nicht los wird. Dabei kann ein Migrationshintergrund eine spannende Folie sein. Sie kann aber auch nur bunte Oberfläche bleiben.

[ Susanne Schulz ]

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