Originaltitel: ANNA KARENINA

GB/F 2012, 130 min
FSK 12
Verleih: Universal

Genre: Literaturverfilmung, Historie, Drama

Darsteller: Keira Knightley, Aaron Johnson, Jude Law, Emily Watson, Saoirse Ronan

Regie: Joe Wright

Kinostart: 06.12.12

6 Bewertungen

Anna Karenina

Bühne frei für den Ehebruch

Die mittlerweile elfte Filmfassung von Tolstois Roman wirft unweigerlich die Frage auf, warum gerade dieser Stoff zu immer neuen Kinodramen inspiriert. Ist es die Gelegenheit zu opulenten Ballszenen und Kostümen? Das Thema, insbesondere die Frage nach dem Preis der bedingungslosen, leidenschaftlichen Liebe? Oder die Neugierde darauf, immer neue schöne Darstellerinnen in dieser weiblichen Parade-Hauptrolle glänzen zu sehen? Nun, in der Tat: Keira Knightley tritt würdig in die Reihe von Greta Garbo, Vivien Leigh, Tatjana Samoilowa und Sophie Marceau. Das romantische Thema rückt explizit ins Zentrum des Geschehens. Und auf Opulenz legt Regisseur Joe Wright (STOLZ UND VORURTEIL) besonders viel Wert.

Das Neue an seiner Version ist allerdings nicht das „Was“ oder „Wer“, sondern vielmehr das „Wie.“ Und hier hat er sich offenbar an Sir Laurence Oliviers Shakespeare-Klassiker HEINRICH V. von 1944 orientiert. Der ließ seinen Film als Aufführung im Globe-Theatre beginnen, um dann die Kulissen zu öffnen und Heinrich aufs Schlachtfeld zu folgen. Auch Wright holt Anna Karenina ins Theater. Die Geschichte spielt sich bis zum Schluß zwischen aufwendigen Kulissen ab, jedoch nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Backstage-Bereich und im Publikum selbst, wo die Ehebrecherin Karenina und die Damen und Herren der Sankt Petersburger Gesellschaft mehr als einmal Platz nehmen, um sich quasi selbst bei der Aufführung des gemeinsamen Stückes zuzuschauen. Die Gesellschaft bereitet hier also nicht nur die Bühne für den Ehebruch, sondern verfolgt diesen anschließend auch mit dem Opernglas. Sehen und gesehen werden.

Das ist so gewagt wie raffiniert. Fulminant wird mit permanenten Verwandlungen gespielt, mittels Bühnentechnik ebenso wie mittels Kamerafahrten und Filmschnitt. Die dynamisierte Montage rückt nicht nur eine endlose Kette von Details ins Licht, sondern ist regelrechte Choreografie. Nein, nicht Realismus gibt den Grundton an. Es geht auch anders im Kino – und das zu sehen tut wohl, auch wenn der Film inhaltlich dem Karenina-Thema nichts hinzufügt. Sein Verdienst ist vielmehr, das Thema sehr spielerisch und frei in die Form zu überführen.

Nur manchmal öffnet sich die Bühne, nämlich immer dann, wenn wir mit Levin die Stadt verlassen. Und hier offenbart sich der eigentliche Romantizismus des Filmes: Das Landleben ist echt, die Stadt ein einziges Theater.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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