D/Griechenland/Spanien 2001, 108 min
Verleih: Basis

Genre: Drama, Poesie

Darsteller: Angela Molina, Herbert Knaup

Stab:
Regie: Jeanine Meerapfel
Drehbuch: Jeanine Meerapfel

Kinostart: 14.02.02

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Annas Sommer

Essen und Erinnern: Trauerarbeit an der Ägäis

Eine griechische Insel brät in goldgelber Sommersonne. Noch schwimmen potentielle mediterrane Speisen glücklich im seichten Gewässer, wissen nichts vom Dämpfen, Dünsten, Würzen oder Garen. Doch die schlichte Eiland-Idylle trügt in jeder Hinsicht, denn erstens ist die Mittvierzigerin Anna mit Kochrezepten bewaffnet, und zweitens war die Filmemacherin Jeanine Meerapfel fest entschlossen, vor diesem Hintergrund eine Art Ahnentafel zu skizzieren, die sich als kompliziert, brüchig und vor allem kosmopolitisch erweist.

Annas Vater, der als griechischer Jude ins Exil nach England ging, lernte dort ihre Mutter kennen, die wiederum Spanierin war. In London geboren, kehrte Anna nach der Scheidung der Eltern mit der Mutter nach Spanien zurück, arbeitet als Fotografin in Berlin und hat einen Deutschen geheiratet. Jetzt sind alle tot, und sie wird diesen Sommer damit verbringen, sich ihrer Lieben zu erinnern. Doch weil die Dramaturgie sich demütig dem verschachtelten Gedächtnis der Hauptfigur beugt, gerät das Ahnendefilee zum Rätselraten um Zeiten, Orte und Identitäten. Dabei ist die Bekanntschaft mit den toten Verwandten zum Teil eine durchaus handfeste, denn Anna begegnet Vater und Ehemann im Haus und am Strand, läßt sich gar Ratschläge erteilen. Kurz: der Geisterspuk ist ambitioniert aber unübersichtlich.

Symbolträchtige Bildkompositionen (auch von Leonardos "Abendmahl" ließ man sich inspirieren) versuchen zu trösten, eine wunderschöne, überirdische Angela Molina ebenfalls. Vergebens, denn sie muß nicht nur in einer Art heiterer Gelassenheit trauern, sondern auch Reflektieren - über Leben, Liebe und Älterwerden, mal mit Blick aufs Meer, mal mit der Hand am Kochtopf. Sanfte Frauenratgeber-Stimmung macht sich breit, vor allem aber Erschöpfung, als hätte man lange, lange durch gleißendes Licht auf ruhiges Wasser geschaut.

[ Sylvia Görke ]

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