Originaltitel: ANOTHER EARTH

USA 2011, 92 min
FSK 12
Verleih: Fox

Genre: Drama

Darsteller: Brit Marling, William Mapother

Stab:
Regie: Mike Cahill
Drehbuch: Mike Cahill
Kamera: Mike Cahill

Kinostart: 10.11.11

4 Bewertungen

Another Earth

Präzises Hochspannungskino

Alles beginnt mit einer Party. Rhoda feiert mit Freunden ihre Aufnahme am MIT, einem hoch angesehenen Forschungsinstitut. Auf dem Heimweg, den sie betrunken mit ihrem Auto antritt, hört sie im Radio von der Entdeckung einer zweiten Erde, die der unseren identisch ist. Verträumt schaut sie in den sternenklaren Himmel und rast dabei in ein parkendes Auto. Eine schwangere Frau und ein kleines Kind sterben. Der Film blendet hier ab, läßt dem Gesehenen Zeit, in uns hineinzusickern.

In der nächsten Einstellung verläßt Rhoda das Gefängnis. Vier Jahre sind vergangen. Von ihrem Studium will sie nichts mehr wissen. Stattdessen fängt sie als Putzfrau in einer Schule an. Sie will mit den Händen arbeiten und versucht, mit den Graffitis auch die schrecklichen Erinnerungen von den Wänden zu wischen. Doch die lassen sich nicht verdrängen. Und statt die Augen zu verschließen, wie der alte Mann in ihrer Schicht, der sich selbst geblendet hat, entschließt sie sich hinzuschauen. Sie besucht den Ort des Unfalls und begegnet dort John Burroughs, der den Crash ebenfalls überlebt hat.

Alles in diesem Film steht unter Spannung, jedes Bild, jede Körperhaltung ist hoch konzentriert. Was die Kamera einfängt, ist von Bedeutung – egal, ob es der kilometerweite Blick auf die zweite Erde oder die Staubteilchen in einem Sonnenstrahl sind. Dabei entsteht diese Spannung nicht aus der Handlung, denn natürlich erzählt der Film die alte Geschichte der Annäherung von Täter und Opfer. Beide werden sich ineinander verlieben, und am Ende wird die Aufdeckung der Tatsachen diese Liebe zerstören. Aber darum geht es nicht, sondern um das Wie? – denn die Spannung, die man spürt, ist die der Hauptfigur, mitreißend gespielt von Brit Marling.

Der Film ist mit allen seinen gestalterischen Einfällen eine brillante Innendarstellung dieser Rhoda. Der leere Raum in ihrem Elternhaus, in den sie nach dem Gefängnis einzieht, die weiten leeren Straßen der Stadt, die sie in Zeitlupe durchschreitet, und das Haus von John Burroughs, welches sie so lange putzt, bis nichts mehr wegzuräumen ist außer ihrer Lüge.

Begleitet von berauschender elektronischer Musik gelangt man fast unbemerkt ans Ende des Films, das den bis dahin eher im Hintergrund verlaufenden Science-Fiction-Strang grandios in den Vordergrund rückt. Eines der bleibenden Kinoereignisse dieses Jahres.

[ Marcel Ahrenholz ] Marcel mag Filme, die sich nicht blind an Regeln halten und mit Leidenschaft zum Medium hergestellt werden. Zu seinen großen Helden zählen deshalb vor allem Ingmar Bergman, Andrej Tarkowskij, Michelangelo Antonioni, Claude Sautet, Krzysztof Kieslowski, Alain Resnais. Aber auch Bela Tarr, Theo Angelopoulos, Darren Aronofsky, Francois Ozon, Jim Jarmusch, Christopher Nolan, Jonathan Glazer, Jane Campion, Gus van Sant und A.G. Innaritu. Und, er findet Chaplin genauso gut wie Keaton ...

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