D 2004, 122 min
Verleih: Kinowelt

Genre: Thriller, Killer, Psycho

Darsteller: Wotan Wilke Möhring, André Hennicke, Nina Proll, Heinz Hoenig, Hauke Diekamp, Ulrike Krumbiegel

Stab:
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christian Alvart

Kinostart: 07.07.05

Noch keine Bewertung

Antikörper

Böses, Gutes, Rehe und Thriller-Luft

Das beste hoffen, während man das schlimmste befürchtet. So beschreibt Regisseur Alvart, was ihn im Kino am meisten fasziniert. Damit ist das Thriller-Genre ganz gut auf den Punkt gebracht, aber auch die tiefe Skepsis, mit der man solchen Filmen begegnet - wenn sie aus Deutschland kommen. Daß inzwischen ein paar Genre-Meilensteine vom internationalen Himmel gefallen sind, macht die Sache nicht leichter, sondern zu einer Herausforderung. Die nimmt ANTIKÖRPER nun durchaus mannhaft an. Zunächst, indem hier die Fallhöhe zwischen dem unvorstellbar Bösen und dem unfaßbar Guten nicht auf Mittelmaß getrimmt wird.

An Gabriel Engel, der fünfzehn Knaben schlachtete und mit ihrem Blut seine künstlerische Ader nährte, ist kein gutes Haar. Um so tröstlicher, daß der durchtriebene Irre dem Berliner Kommissar Seiler in den ersten Filmminuten ins Netz geht. Doch der saftig inszenierte Zufallscoup ist nur Exposition. Fünfzehn Geständnisse bekommt Seiler von seinem grinsenden, wichsenden Mörder. Im Fall Lucia aber leugnet er. Michael Martens, Polizist aus dem Heimatdorf des toten Mädchens, wird hinzugezogen, um Engel auch hierin zu überführen. Dem tief religiösen Familienvater ist die naheliegende Lösung jedoch zu einfach. Und dem Häftling bereitet nichts mehr Vergnügen, als der guten Seele bohrendes Mißtrauen einzuflüstern: in die eigene Reinheit, die Männer im Dorf und die in der Familie.

Alvart kennt SIEBEN und DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER, das sieht man. Doch so nonchalant wie er hier mit Zitaten umgeht, Dostojewskij ebenso wie Bugs Bunny aufruft, nimmt er Plagiatsvorwürfen einigermaßen gewieft die Kraft. Im Poker mit anderen Bild- und Sprachsymbolen (Oh, diese biblischen Namen!) zeigt er sich nicht ganz so clever und stolpert schließlich über ein paar Rehe (!), die aus dem deutschen Wald hüpfen. Ist aber diese unglückliche Szene überstanden, hat der Bauch das Wort: ANTIKÖRPER bietet eine konsistente Story, einen schillernden Psychopathen, der internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht, und vor allem Atmosphäre. Kamera und Score tragen die Thriller-Luft aus nebelverhangenen Motiven, irreführenden Andeutungen, blitzhaften, drastischen Momenten - und dieses ganz spezielle moralische Halbdunkel der Provinz.

[ Sylvia Görke ]

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