Originaltitel: ANYTHING ELSE

USA 2002, 111 min
Verleih: Alamode

Genre: Komödie, Liebe

Darsteller: Jason Biggs, Christina Ricci, Woody Allen, Stockard Channing, Danny DeVito

Stab:
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen

Kinostart: 02.09.04

Noch keine Bewertung

Anything Else

Manhattan wie gehabt

Das Verhalten geschlechtsreifer Großstädter ist Woody Allens großes Thema. Die Paare und Passanten seiner konstant unterhaltsamen aber wechselnd originellen urbanen Verhaltenskomödien sind neurotisch, fixiert auf sich selbst und Sex. Diesmal müssen sie dabei sogar völlig ohne Geschichte auskommen. Kein Krimi-Gauner-Plot als Feigenblatt wie zuletzt, sondern der Stadtneurotiker vor dem Sündenfall: komische aber nackte Paar-Therapie in Manhattan.

Comedy-Autor Jerry und Schauspielelevin Amanda kommen zusammen, vor allem sexuell. Doch es gibt weitere Gemeinsamkeiten. Daß beide Jazz und die dazugehörigen Interieurs aus dunklem Holz mögen, muß man diesen Mittzwanzigern notgedrungen abnehmen. Schließlich verifiziert der Regisseur das Allensche Gesetz der natürlichen Folge von Lust und Frust am liebsten zu seiner Lieblingsmusik in seinem Lieblings-Wohnambiente. Szenen einer Beziehung: Jerry bettelt um den Sex, mit dem die geliebte Aphrodite anfangs so großzügig war, sie selbst erprobt ihre Orgasmusfähigkeit anderswo, Amandas singende, saufende, koksende Mutter beglückt das Paar mit einem Dauerbesuch, derweil Jerrys Agent seinem einzigen Schützling einen Siebenjahresvertrag aufschwatzen will. Verzweifelt wendet sich der Geplagte immer wieder direkt ans Publikum. Dabei hat er in David Dobel doch einen hilfreichen Freund zur Seite, der endlich macht, was sein Psychoanalytiker stur verweigert: er redet.

Als Nebenfigur getarnt, schleicht sich Woody Allen mit dieser Rolle ins eigentliche Zentrum seines Films. Wo er steht und geht, belehrt er Jerry über die Frauen, das Leben und alle Probleme, die beide mit sich bringen. Sogar für den Besitz einer Waffe will er ihn begeistern.

Davon darf man sich jedoch nicht täuschen lassen, denn geschossen wird hier ausnahmslos verbal und mit bissiger Ironie. Allerdings geht es dabei diesmal derart gesprächig zu, daß einem die Ohren und manchmal auch die Nerven sausen. Außer einem drastisch verjüngten Neurotiker-Paar hat Allens Neuer ansonsten wenig Neues zu bieten. Angemessen hektisch stottert Jason Biggs, schön hysterisch ist Christina Ricci - nicht genug, um eine alte Liebe zu Woody Allen wieder heiß zu entflammen. Aber wir können ja Freunde bleiben.

[ Sylvia Görke ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.