Originaltitel: APPURUSHIDO

J 2004, 108 min
Verleih: REM

Genre: Computeranimation, Action, Science Fiction

Stab:
Regie: Shinji Aramaki
Musik: Paul Oakenfold, Basement Jaxx, Carl Craig

Kinostart: 08.09.05

1 Bewertung

Appleseed

Herzschmerz in Utopia

Ein dritter Weltkrieg hat die Erde in Schutt und Asche versinken lassen. Inmitten der Ruinen kämpft die Elite-Soldatin Deunan um das nackte Überleben. Wie aus dem Nichts erscheinen riesige Roboter und entführen die junge Frau in die futuristische Metropole Olympus, den letzten Hort der Menschheit. Hier leben Menschen in friedlicher Koexistenz mit sogenannten Bioroiden. Diese Präzisionsklone sorgen für eine stabile Gesellschaftsordnung, verfügen aber weder über Emotionen, noch pflanzen sie sich fort. Doch es gibt Menschen, denen diese Spezies und der Frieden in Olympus ein Dorn im Auge sind. Mit einem furchtbaren Terroranschlag gefährden sie alle Bioroiden. Die einzige Rettung könnte ein geheimer Datenträger sein, der die Reproduktionsfähigkeit der Klone wieder herstellt und den passenden Namen Appleseed trägt.

Apfelkerne sind klein und unscheinbar, doch fallen sie auf fruchtbaren Boden, können prächtige Bäume aus ihnen wachsen. So hoffnungsvoll einfach flüstert diese opulent gestaltete Manga-Adaption, läßt man Wummen, matschende Körperteile und Kriegsmaschinerie einmal weg. Dieses gedankliche Fundament paßt zu den Grundideen asiatischer Philosophien, in denen oftmals das Gleichgewicht von Kräften und der Ausgleich von Gegensätzen eine wichtige Rolle spielt.

Überraschend für Zuschauer, denen die Manga-Vorlage des GHOST IN THE SHELL-Schöpfers Masamune Shirow nicht bekannt ist, dürften die Parallelen zur griechischen Mythologie sein, die sich offensichtlich in den Namen der Hauptfiguren niederschlagen. Die Bösewichte Uranus und Hades machen der gütigen Präsidentin Athena das Leben schwer, der Zentralcomputer wird Gaia genannt, und der Name der Kämpferin Deunan erinnert nicht von ungefähr an die griechische Göttin der Jagd. Schade nur, daß gleich drei erklärende Sequenzen die Geschichte unnötig bremsen, und haarsträubende Rührseligkeit ab und an das Steuer übernimmt. Beides hat diese Anime-Wundertüte nämlich nicht nötig, verblüfft sie doch mit ausgefeilter Animationstechnik. Die grobe Schattierung der Charaktere ist stark an den Manga-Stil angelehnt und fügt sich hervorragend in die dreidimensionalen, computergenerierten Kulissen ein.

So bleibt das Vergnügen ein zweifelhaftes, wenn das Auge schmachtet, das Gehirn sich aber gegen die Schmalz-Attacken sträubt.

[ Roman Klink ]

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