Originaltitel: APPROPRIATE BEHAVIOR

GB 2014, 86 min
FSK 0
Verleih: Pro Fun

Genre: Komödie, Schwul-Lesbisch, Liebe

Darsteller: Desiree Akhavan, Rebecca Henderson, Scott Adsit, Halley Feiffer, Ryan Fitzsimmons

Stab:
Regie: Desiree Akhavan
Drehbuch: Desiree Akhavan

Kinostart: 14.05.15

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Appropriate Behavior

Großstadtromantik für Fortgeschrittene

Das sieht man auch nicht alle Tage, selbst Brooklyn staunt: Eine junge, atemberaubende Frau stolpert durch die Straßen, offenbar ziemlich stinkig und mit einem Dildo in der zarten Hand. Was geschah, sei schnell erzählt – jene Angesäuerte heißt Shirin, hat eben die Trennung von Freundin Maxine vollzogen, aber besagtes Sexspielzeug gerettet. Glück gehabt! Oder nicht? Fakt ist: Die Jetzt-Ex beherrscht auch langfristig Denken und Fühlen, sämtliche sexuellen oder sonstigen Vergessensversuche schlagen fehl. Ganz zu schweigen davon, daß Shirins Familie, konservative Exil-Iraner, entschlossen ihre Bisexualität verdrängt. Verfahrene Kiste, das Ganze.

Im Gegensatz zu leider vielen anderen Vertretern des Queer Cinema hebt Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin Desiree Akhavan den Inhalt wohltuend über die (erotische) Form, filmt zwar unverklemmt zur Schau gestellte Körperlichkeit, aber deswegen nicht gleich geifernd in tiefe Ausschnitte hinein oder an verrutschten Slips entlang. Und sie weiß tatsächlich etwas zu erzählen, das sich jenseits des häufig selbstverliebt um unsichere Ichs kreisenden Zentrums positioniert. Shirin und Maxine, diese zwei verdammt sympathischen Zicken, können kaum ohne einander, zusammen wird’s indes noch katastrophaler, was Shirin weiß, aber zu verdrängen sucht. Jeder, der schon mal nach einem Beziehungssplit von Reue angesackt Blödsinn gebaut hat (also wohl wir alle), kann das ziemlich gut nachvollziehen.

Akhavan tritt dieser grundsätzlich recht melancholischen Ausgangslage jetzt jedoch mit Karacho in den faltigen Hängehintern – ein ständig bekiffter Chef, kaum zu bändigende fünfjährige Knaben, denen sie Filmkunst (!) beibringen soll (nebenan arbeitet der kindliche Mädchen-Fortgeschrittenenkurs bereits am Remake von DIE VÖGEL) oder ein emotional dezent verunsichertes Latex-Pärchen sind bloß einige Vertreter des Personals, welchem Shirin begegnet. Absolutes Highlight: die Dessous-Shop-Psychoberatung inklusive optischer „Äh ... ja ...“-Pointe.

Launig, liebevoll, niemals larmoyant treibt Akhavan Klischees auf die Spitze, Gefühle direkt ins Herz, das Lachen aus dem Bauch und Shirin von einem gigantischen Fettnapf zum nächsten, bis am Ende zum Glück keine billige Problemlösung lauert, sondern echte Hoffnung blüht. Und man verblüfft feststellt, sich tatsächlich ein bißchen in Shirin verguckt zu haben.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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