Originaltitel: ARARAT

Kanada 2002, 116 min
Verleih: Kool

Genre: Drama

Darsteller: David Alpay, Charles Aznavour, Christopher Plummer, Arsinée Khanjian

Stab:
Regie: Atom Egoyan
Drehbuch: Atom Egoyan

Kinostart: 04.03.04

Noch keine Bewertung

Ararat

Harte Arbeit an der Geschichte

David tut Dienst beim kanadischen Zoll, denkt an seine bevorstehende Pensionierung und das schwierige Verhältnis zu seinem Sohn, der jetzt mit einem Mann zusammenlebt. Da kulminiert vor seinen Augen die düstere Geschichte eines fernen Landes. Raffi, ein junger Kanadier armenischer Abstammung kehrt mit lauter Filmbüchsen aus der Türkei zurück, ergänzendes Material für eine Spielfilmproduktion. Ob darin auch Drogen versteckt sind, läßt sich nicht prüfen, ohne die Aufnahmen zu zerstören. Der junge Mann beginnt zu erzählen, vom immer noch geleugneten Völkermord, den die Türken 1915 an ihren armenischen Mitbürgern begingen, vom Trauma, das auch ein ganzes Jahrhundert nicht therapieren konnte.

Auf der Folie dieser Zollkontrolle breitet Regisseur Atom Egoyan, selbst Sohn armenischer Flüchtlinge, ein episodisch gearbeitetes Tableau aus, das über viele personale Zentren gespannt ist und neben der Vermittlung historischer Fakten ebenso das eigentliche Thema tragen muß: die Glaubwürdigkeit, die Einseitigkeit, überhaupt die Möglichkeit von Geschichten über Geschichte, in der Kunst, im Leben. Raffis Mutter ringt als Kunsthistorikerin mit dem Werk des armenischen Malers Arshile Gorky und schweigt über den Tod ihres Mannes. Raffis Stiefschwester fordert Antworten. Ein Regisseur, der vor fast einem Jahr ebenfalls Davids Arbeitsplatz passierte, dreht in Kanada einen Film über die Ereignisse am Ararat.

Er habe enorme Anforderungen an seine Zuschauer, gibt Atom Egoyan unumwunden zu. Tatsächlich wird so mancher zustimmend nikken, wenn der Zöllner Raffis gewaltige Erzähleruption mit den Worten unterbricht: "Ich komme nicht mit." Fast neutralisieren sich die bedeutungsschweren Steine dieses Mosaiks, streben auseinander und wollen für sich allein glänzen. Beinahe droht der leuchtendste von ihnen, in der Fülle unterzugehen: Das Duell um Glauben und Vertrauen am kanadischen Zoll, der freundliche Kampf zwischen Christopher Plummer und David Alpay.

Nun mag Egoyans Film der "gedanklich herausforderndste des Jahres" sein, wie ein Kritiker lobte. Ganz sicher ist er eine verwinkelte, intelligente Reflexion für den Kopf - aber er verströmt eben auch den herben Geruch eines Arbeitssieges.

[ Sylvia Görke ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.