D 2014, 76 min
FSK 0
Verleih: GMfilms

Genre: Dokumentation

Regie: Claudia Funke

Kinostart: 07.01.16

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Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder

Jenseits der Minutenpflege

Hetzeldorf ist eine kleine Gemeinde im rumänischen Siebenbürgen. Dort gibt es ein sehr besonderes Altenheim, von dem sich viele deutsche Heime eine Scheibe abschneiden können. Nicht etwa deshalb, weil es so erstklassig ausgestattet wäre. Es gibt in dem ganzen Heim kaum etwas von dem ganzen Inventar, das in Deutschland zum Standard gehört. Hierzulande undenkbar arbeiten in Hetzelsdorf viele der etwa 30 Bewohner in der heimeigenen Landwirtschaft mit. Die Heimbewohner produzieren einen Großteil der Lebensmittel, die sie verbrauchen, selbst. Das geschieht auch aus der Not heraus. Jeder arbeitet, so wie er kann und mag. Manche pulen Erbsen oder Mais, andere ernten das Heu oder hüten die Schafe. Die alten Leutchen strahlen dabei eine Zufriedenheit aus, die man gemeinhin nicht mit dem Wort „Altenheim“ in Verbindung bringt. Sie sind noch zu etwas nütze, keine Last. Ein wahrhaft würdevolles Altern.

Alle Heimbewohner sind Siebenbürger Sachsen. Die deutschsprachige Minderheit ist in Rumänien am Verschwinden. Die meisten der ehemals 120.000 Menschen wanderten in den 90er Jahren nach Deutschland aus. Geblieben sind die, die nicht weg wollten oder konnten. Claudia Funke beobachtet behutsam den Alltag ihrer Protagonisten, von denen viele einen augenzwinkernden Charme versprühen. In einem fremdartig klingenden Deutsch erzählen sie von ihrem Leben. Die meisten sind bettelarm und haben sich stets durch die Arbeit ihrer Hände ernährt. Trotzdem wirken sie keinesfalls verbittert.

Das Leben in Hetzeldorf erscheint deutschen Augen sehr pittoresk und wie aus einer anderen, besseren Zeit, als die Mehrzahl der Menschen noch nicht am Schreibtisch verkümmerte. Die Bilder von Kamerafrau Julia Weingarten sind sehr idyllisch. Das Dorf liegt wunderschön in einer hügeligen Landschaft, die bäuerliche Architektur ist noch intakt. Pferdewagen rollen durchs Bild. Kühe und Schafe trotten hinterdrein. Es ist Sommer, alles steht in schönster Blüte.

Es ist sicher ein durchaus romantisierender Blick, den Funke auf das Altenheim wirft. Sie ignoriert das gesellschaftliche und geschichtliche Drumherum der Siebenbürger Sachsen und zeigt eine Sehnsuchtswelt, die einen Gegensatz zu unserer hochtechnisierten und naturfernen Kultur darstellt. Und doch fragt man sich unwillkürlich, ob es ein ähnliches Projekt nicht auch in Deutschland geben könnte.

[ Dörthe Gromes ]

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