Originaltitel: ARCO

F/USA 2025, 89 min
FSK 6

Genre: Animation, Fantasy, Kinderfilm

Regie: Ugo Bienvenu

Kinostart: 09.04.26

Noch keine Bewertung

Arco

Gefallen und Gefälligkeit

Schuld waren die Saurier. Von denen hatte Arcos Schwester so bildreich erzählt, daß der Junge sie selbst sehen wollte – was in ferner Zukunft schon lange kein Problem mehr ist, praktisch sind Zeitreisen für Menschen unter 12 aber nicht erlaubt. So schnappt sich Arco also einen nötigen Umhang plus Kristall und düst los, was nach wortwörtlichen Startschwierigkeiten auch klappt, ihn aber nur in die Vergangenheit anno 2075 versetzt, noch dazu scheint die Rückkehr schwierig bis unmöglich. Ob ihm Iris, zehn Jahre alt, helfen kann?

Wie so oft versteckt sich hier nicht allein der Teufel im Detail, sondern auch einiges Potential, gereiht an der hübschen Idee, Arco in einer aus Zuschauersicht eben zukünftigen Version der Erde stranden zu lassen. Und da müssen Eltern beispielsweise so viel arbeiten, daß ein rühriger Hausroboter die Erziehung übernimmt, derweil Mama bloß als Hologrammkästchen existiert, welches sich nach der Gute-Nacht-Verabschiedung zusammenklappt und neben dem Bett verweilt. Ein bißchen Nähe zum Kind gehört doch dazu. Zumindest hebt Iris’ Reaktion auf all das, beeindruckende Charakterstärke nämlich, die kindliche Figur auf ein spannendes Level.

Notwendigerweise, sei hinzugefügt, weil Langfilmregiedebütant Ugo Bienvenu eigenen Ideen zu wenig vertraut, sich lieber auf gesichertem Terrain bewegt, beginnend bei einer Optik, welche seine Arbeit als Comiczeichner kaum widerspiegelt, sich strikt am offensichtlichen Vorbild namens Studio Ghibli orientiert. Beileibe keine schlechte Wahl, dennoch eine mutlose Entscheidung und manchmal etwas zu flächig, primärfarbenlastig und klar konturiert. Letzteres findet sich genauso im Erzählerischen wieder, es bleibt über weite Strecken bei Erwartbarem wie Klimawandel (immerhin inklusive einer visuell bezwingend ausbrechenden Katastrophe), Freundschaftsneigung oder einigermaßen schrägen, zwielichtigen Verfolgern. Fast fürchtet Bienvenu darin emotionale Abzweige, selbst Komplexes wie Trauer und Verlust wird möglichst kurz abgehandelt, zumindest bis zu einem Finale, dessen Gefühlstiefe erstmals unter Oberflächen vordringt.

Klar, solche Gefälligkeit gefällt, sackte gar schon Preise ein. Wofür ganz konkret, steht auf unbekanntem Blatt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Arco ab heute im Kino in Leipzig