Originaltitel: ARIRANG

Südkorea 2011, 100 min
FSK 12
Verleih: REM

Genre: Dokumentation

Regie: Kim Ki-duk

Kinostart: 09.02.12

Noch keine Bewertung

Arirang

Ein Lebenszeichen von Kim Ki-duk

15 Filme in Folge hatte der Südkoreaner wie ein Getriebener geschaffen, darunter so Meisterliches wie FRÜHLING, SOMMER, HERBST, WINTER ... UND FRÜHLING. Noch während der Montage des jeweils aktuellen Filmes plante er bereits den nächsten. Die Stoffe flogen ihm nur so zu. Doch nach DREAM war er ausgebrannt.

In der Schaffenskrise zieht er sich, dem Beispiel vieler seiner Protagonisten folgend, zur Einkehr in die Berge zurück. Doch die Einkehr geht nach hinten los. Das Ideal hält der Realität nicht stand. Drei Jahre lang kampiert Ki-duk allein in einer kargen Holzhütte, schmilzt Schnee zu Trinkwasser, gräbt sich ein Loch, wenn er aufs Klo muß, rutscht tiefer in die Depression, bis er schließlich zur Digitalkamera greift. Wenn schon kein neuer Film, dann wenigstens sich selbst filmen. „Ist das etwa kein Film?“, fragt er sich und das Publikum und stellt das Filmemachen gleich mal radikal in Frage.

Was für ein schmerzhaftes Selbstporträt! Ein Filmemacher spaltet sich in verschiedene Figuren, steht sich selbst Rede und Antwort: „Findest Du das etwa toll? Willst Du so leben?“ Dann wieder alkoholische Abstürze, Schreien und hemmungloses Heulen, Strapazierung des Volksliedes „Arirang.“ Welch’ Kontrast zu seinen philosophischen Filmen! Die stecken zwar auch voller vulkanischer Gewalt- und Gefühlsausbrüche, am Ende gibt es aber doch in der Regel den Weg zur Erlösung oder Vergebung. Ein Mann hat sich selbst umzingelt mit seinen Zweifeln, aber auch seinen Eitelkeiten. Klar wird, er war bei allem internationalen Renommee schon immer allein, auch mit Filmteam eine Ein-Mann-Show. War er als Spielfilmregisseur bisher sein eigener Drehbuchautor, Produzent und Cutter, so ist er nun auch noch sein eigener Protagonist. Sogar die Espressomaschine und den Revolver in seiner Hütte hat er selbst gebaut.

Sein unermeßlicher Erfindungsreichtum ist aber immer noch sein Kapital, mit dem er sich einen Weg aus der Krise bahnt. Erstaunlich, wie er es schafft, sich mit der Kamera selbst zu beobachten, dabei sogar die Einstellungen permanent zu verändern. Wie der Häftling in BIN-JIP, der sich in seiner Zelle in Luft auflöst, indem er immer einen Schritt hinter den Wärter tritt, so löst sich Ki-duk mit der Kamera hinter sich selbst auf. Leichte Kost ist der Film nicht, und er hat zugegeben seine Längen, und doch sehen wir das Werk eines wahren Künstlers, für den alles, was er tut, existentiell ist.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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