D 2013, 86 min
FSK 12
Verleih: Missing Films

Genre: Dokumentation, Polit

Regie: Marco Wilms

Kinostart: 30.01.14

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Art War

Revolution von innen

Vor drei Jahren gingen die Nachrichten vom Tahrir-Platz um die Welt. Der Arabische Frühling war eine Revolution der Bilder. Nach dem Sturz Mubaraks explodierte in Kairo die Kreativität, die Stadt wurde mit kunstvollen, politischen Graffitis geflutet, Kunst wurde zu einer wichtigen Waffe im Kampf für die unvollendete Revolution. Graffiti-Künstler wie Ammar, Alaa und Ganzeer nahmen mit ihren Bildern ganze Straßenzüge in Besitz, machten aus ihnen Ort der Begegnung und der öffentlichen Diskussion und etablierten so eine ganz neue Kultur der Offenheit in einem Land, das seit mehr als 30 Jahren mit Notstandsgesetzen regiert worden war.

Als der deutsche Regisseur Marco Wilms 2011 die ersten Bilder vom Tahrir-Platz sah, wußte er: Hier wird Geschichte geschrieben. Ohne lange nachzudenken, schnappte er sich seine Kamera und flog nach Kairo. Das Ergebnis ist ein schneller, rauher Film voller großartiger Bilder und Musik, der eine Ahnung davon vermittelt, wie Revolutionen von innen aussehen.

Angesichts der anhaltenden Auseinandersetzungen in Ägypten bleibt ART WAR ein Fragment: Bis heute sind die Aktivisten in Kairo mit Farbe, Pinsel und Spraydose im Einsatz, um unter Lebensgefahr die Freiheit zu verteidigen. Mit ihren Transparenten, Graffitis und Wandmalereien liefern sie immer wieder ein Gegenbild zu den Gewaltexzessen, mit denen Mubarak, die Militärs und die Muslimbruderschaft auf ihre Rufe nach Freiheit reagierten. Sie alle leben seit drei Jahren kein normales Leben mehr, sondern befinden sich gewissermaßen im „Revolutionsmodus.“

Mit seinem hochaktuellen Film gelingt Marco Wilms der Einblick in einen gesellschaftlichen Prozeß, der alles andere als abgeschlossen ist. Ganz ähnlich wie die Mauern Kairos, die permanent durch Bilder und Graffitis neu definiert werden, hat auch der Film einen langen Prozeß von Überschreibungen und Änderungen hinter sich gebracht, bis er beim DOK-Festival Leipzig im Herbst 2013 zum ersten Mal auf der Kinoleinwand zu sehen war.

Wer verstehen will, welche enorme Kraft widerständige Kunst entfalten kann, und warum Kairo bis heute nicht zur Ruhe kommt, sollte ART WAR nicht verpassen!

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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