D 2013, 60 min
FSK 0
Verleih: Märchenfilm

Genre: Kinderfilm, Märchen

Darsteller: Ezra Finzi, Samuel Finzi, Marie-Lou Sellem, Carsta Zimmermann

Regie: Torsten Künstler

Kinostart: 21.11.13

Noch keine Bewertung

Aschenbrödel und der gestiefelte Kater

Einmal wieder Kind sein!

Der Titel birgt zunächst ein Rätsel – seit wann tauchen die Prinzessin in spe und das beschuhte Haustier gemeinsam auf? Nun, eigentlich auch hier überhaupt nicht, weswegen die Rahmenhandlung recht locker bleibt: Der kleine Paul zieht mit seinen Eltern um und fühlt sich ohne die zurückgelassenen Freunde einsam. Doch das Entdecken einer verzauberten Hütte ändert alles, denn dort leben die Märchen der Gebrüder Grimm fort. Leuchtenden Auges verfolgt Paul also, wie eine Gruppe Schauspieler die beiden Geschichten aufführt.

Das war’s schon, im Grunde wird abgefilmtes Theater präsentiert, doch die reine Spielfreude der höchstmotivierten Darsteller darf nicht unerwähnt bleiben. Sie macht Spaß, punktet durch liebevolle Details, verzaubert sogar Erwachsene, obgleich die Altersempfehlung bei „ab vier Jahren“ liegt, der geneigte Leser ergo nicht mehr der Zielgruppe entsprechen dürfte. Dafür aber die Chance bekommt, die Sagen der Kindheit neu zu entdecken, sich längst vergessene Details ins Gedächtnis zu rufen: Erst kürzlich scheiterte der Autor dieser Zeilen zum Beispiel, als er befragt wurde, wieviele Tauben Aschenbrödel eigentlich hilfreich zur Hand gehen. Tatsächlich sind es genau zwei Stück. Hätten Sie es (noch) gewußt?

Trotzdem ist das ja ein Film für Kleinere, und die bekommen etwas ganz Besonderes geboten. Normalerweise mahnt das Elternteil zur Ruhe im Saal, unterbindet natürlichen Bewegungsdrang. Nicht so hier! In regelmäßigen Abständen fordert der sympathisch zottelige Teddy MiKi das kurze Publikum zum Mitmachen auf: klatschen, rufen, singen, tanzen ... alles nicht bloß erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Während der Pressevorführung – anwesend einige Kindergartengruppen – funktionierte das Prinzip nach etwas Eingewöhnungszeit hervorragend: Die anfängliche Zurückhaltung mündete gegen Ende im niedlichen Tumult.

Da bricht sie endlich mal wieder hervor, die herrlich altmodische Magie der Märchen, welche im x-ten sterilen Animations-Singsang mit 3D-Brillen-Zwang auf der Strecke zu bleiben droht. Simple Mittel, großer Effekt – die Rückkehr zum eigenen Kindsein als Belohnung dafür, sich modernem Schnickschnack zu verweigern. Oder, um schlußendlich mal einer jungen Nachwuchs-Kritikerin das Wort zu schenken, die während des Abspanns gegenüber ihrer Freundin sogleich in den Informationsmodus schaltete: „Das war ein toller Kinofilm!“

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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