Originaltitel: ATANARJUAT - THE FAST RUNNER

Kanada 2000, 172 min
FSK 12
Verleih: Arsenal

Genre: Drama

Darsteller: Natar Ungalaaq, Sylvia Ivalu, Peter-Henry Arnatsiaq, Lucy Tulugarjuk

Regie: Zacharias Kunuk

Kinostart: 30.01.03

Noch keine Bewertung

Atanarjuat

Intrigen im Iglu

Über Generationen hinweg erzählten Eskimo-Omas ihren Enkeln folgende Legende: Irgendwann vor langer Zeit lebte ein Stamm der Inuit, welcher von einem zufällig vorbeiwandernden Schamanen verflucht ward. Fortan prägten Eifersucht, Haß und Gier das einst beschauliche Miteinander. Der junge Atanarjuat und sein älterer Bruder Amaqjuaq wußten davon nichts, weil ihre Mutter sich sehr bemühte, sie behütet aufwachsen zu sehen.

Erste Ausläufer des negativen Zaubers traten indes ans Polarlicht, als Atanarjuat in heißer Liebe zur hübschen Atuat entflammte – sie war dummerweise Oki versprochen, Sohn des Häuptlings. Trotzdem heirateten sie nach schwerem Kampf gegen jeden Widerstand, alles schien in Ordnung zu sein. Wie es Sitte war, wählte Atanarjuat eine Zweitfrau, Puja, damit Atuat Gesellschaft hatte. Puja jedoch entpuppte sich als falsche Schlange: Sie schaffte es, ihren eh schon schlecht auf Atanarjuat zu sprechenden Bruder Oki weiter aufzustacheln, bis er eines Nachts Rache nahm und Amaqjuaq meuchelte. Atanarjuat konnte wie durch ein Wunder fliehen, ahnte jedoch, daß er diesen immerwährenden Teufelskreis endgültig durchbrechen mußte. Es galt, Dämonen auszutreiben – im übertragenen wie wörtlichen Sinne.

Zurück ins Heute: Möchte man diese Geschichte auf seinen Kino-Wunschzettel setzen, ist ein gerüttelt Maß Geduld nötig, das fast bis zum Stillstand gedrosselte Tempo zu akzeptieren. Zudem sollte man Interesse für fremde Kulturen sowie ihre Lebensweise mitbringen und begeisterungsfähig genug sein, Mythen nicht gleich als unrealistischen Kinderkram abzutun. Zudem sei der Wille empfohlen, sich der Kraft der Stille zu öffnen, denn es gab wohl lange kein Werk mehr, welches in seiner formvollendeten Synthese aus knappen Dialogen und schwelgerischen Kamerafahrten die alte Weisheit "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte" so beeindruckend hinterlegte.

Wer aber genug Mut zeigt, sich von all dem nicht abschrecken zu lassen, wird einen Film entdecken, dessen Macht und Schönheit erst zu einem späteren Zeitpunkt voll zur Geltung kommen – wenn man das Kino schon lange verlassen hat, aber eigentlich noch bei den Inuit im ewigen Eis weilt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.