Originaltitel: ATASH

Palästina/Israel 2004, 110 min
Verleih: mec

Genre: Drama

Darsteller: Hussein Y. Mahajne, Arnal Bweerat, Roba Blal

Regie: Tawfik Abu Wael

Kinostart: 16.06.05

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Atash – Durst

Beeindruckende Bildreflexion über das Patriarchat

Eine Familie lebt im kargen Niemandsland abseits des Dorfes. Illegal, denn das Gebiet wurde von der israelischen Regierung annektiert. Rauch hängt zwischen den bunkerartigen Mauern der winzigen Familiensiedlung, von der Holzkohle, welche die Mitglieder produzieren. Alle leiden unter der Langeweile und Ereignislosigkeit der Tage. Der Sohn darf nicht zur Schule gehen, und die Töchter verdorren im doppelten Sinne. Wasser ist rar. Die ältere von ihnen hat nach dem Moralkodex der Dorfgemeinde Schande über die Familie gebracht. Das ist lange her. Doch der Vater erlaubt keine Rückkehr. Von seinen Ersparnissen läßt er eine aufwendige Wasserleitung bauen, die schon bald wieder demoliert wird. Doch von wem? Der Vater greift hart durch und erzwingt die Opposition der Familie. Eine schwierige Situation für den Sohn, der sich entscheiden muß, auf welcher Seite er steht.

Leichte Kost ist dieses wortkarge filmische Kleinod nicht und dennoch von bestechender Intensität. Das eindringliche Spiel der Schauspieler und die bemerkenswerte Kameraarbeit machen es trotz aller Schlichtheit zu einem echten Kinoerlebnis. Klaustrophobischer Weitwinkel und subjektive Blicke erzeugen eine bedrückende und unheilvolle Atmosphäre. Damit kommt der Film einem äußerst subtilen Psychothriller näher als einer vordergründig gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung, die er natürlich doch ist.

Der kompromißlose, selbstzerstörerische Kampf des Vaters um seine Vormachtstellung wird hier scheinbar als Kampf um ein existentielles Grundbedürfnis geführt: Wasser. Gleichzeitig verbirgt sich hinter dem Durst der Familie natürlich das Verlangen nach Freiheit und Ausbruch.

Die zwischenmenschlichen Spannungen umfassen Bereitschaft zur Gewalt ebenso wie aus unerfülltem Begehren wachsendes erotisches Schwelen. Ohne daß es thematisiert oder durch freizügige Bilder gezeigt werden muß, knistert es gewaltig zwischen den Töchtern, dem Sohn und dem Vater. Eine parabelhafte Situation, die bei aller psychologischen Schärfe auch viel Interpretationsspielraum läßt.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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