Originaltitel: YI YÈ TÀI BEI

Taiwan/USA/D 2009, 85 min
Verleih: Arsenal

Genre: Krimi, Liebe, Schräg

Darsteller: Jack Yao, Amber Kuo, Joseph Chang, Lawrence Ko, Frankie Gao

Stab:
Regie: Arvin Chen
Drehbuch: Arvin Chen

Kinostart: 30.12.10

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Au Revoir Taipeh

Reisende soll man aufhalten!

Kai will weg aus Taipeh. Seit seine Freundin in Frankreich lebt, kennt er nur ein Ziel: ab nach Paris, der bislang größten Liebe seines noch kurzen Lebens hinterher. Im Buchladen um die Ecke stellt Kai allabendlich das Sortiment an Französisch-Lernhilfen kostengünstig in den Dienst seiner Sache. Buchhändlerin Susie läßt ihn gewähren – natürlich aus purer Sympathie für seinen romantischen Eifer, oder?

Kai bleibt keine Zeit für solche Gedanken. Denn die Angebetete in Paris hat sich das mit der großen Liebe anders überlegt und muß persönlich umgestimmt werden – dringend, gleich morgen früh. Für das fehlende Reisegeld sorgt der dubiose Immobilienhai Bao – im Tausch gegen einen winzigen Gefallen ...

„Wo du nicht bist, dort ist das Glück“, singt Schuberts Wanderer. Ach, wie gut könnte dies einer traurigen Kinoballade über Sehnsucht und Abschied als Motto vorangeschlichen sein? Diesen Film muß nun ein anderer drehen, denn der US-Taiwanese Arvin Chen hat nicht Schubert, sondern Swing im Blut. In seinem Langfilmdebüt schnipst er sich so unverschämt fröhlich durch eine taiwanesische Nacht, daß einem Herz und Füße zucken. Während sich Kai nämlich nach Paris sehnt, zieht der Regisseur alle Register, um Taipeh im Rennen um den Titel „Weltstadt der Liebe“ einen Vorsprung zu verschaffen. Weil sich aber sein Protagonist weder von den frischgeputzten Lichtern am Abendhimmel, noch von Wan-Tan-Duft, trautem Nudel-Schlürfen, romantischen Gassen oder tanzenden Tai-Chi-Gymnastikern von seinem Vorhaben abbringen läßt, greift Chen zum Äußersten.

Gemeint ist eine mit Slapstick und umwerfender Begriffsstutzigkeit ausgestattete Kriminalfarce, die sich dem Eilenden wie ein Fangseil um die Füße schlingt. Sie bestimmt den gemütlich-absurden Ton dieser unbeschwerten Charmeoffensive gegen das Fernweh. Und sie verpaßt nicht nur der finstermelancholischen Triadenfolklore des fernöstlichen Kinos eine streichelsanfte Kopfnuß, sondern treibt die europäischen Klamaukfilme der Sechziger und Siebziger auf eine lakonische asiatische Spitze. Das kuriose Personal – ein Gangster mit extravagantem Büroklo, sein modebewußter, aber bekloppter Neffe, ein liebeskranker Polizist samt gefräßigem Kompagnon – hätte neben Louis de Funès oder Pierre Richard eine gute Figur gemacht.

[ Sylvia Görke ]

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