Originaltitel: AU VOLEUR

F 2009, 100 min
Verleih: Projektor

Genre: Drama, Poesie

Darsteller: Guillaume Depardieu, Florence Loiret Caille, Jacques Nolot

Regie: Sarah Leonor

Kinostart: 03.02.11

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Au voleur – A Real Life

Von Flucht und Ausbruch

Der Blick geht nach oben, unter einem weiten Himmel zieht das grüne Blätterdach eines Waldes im gemächlichen Gleiten eines Ruderbootes dahin. Es ist Sommer, in der Natur wirkt alles gelöst und beschwingt, und auch die Menschen finden befreit von ihrer Alltagslast wieder zu ihrem wahren, zu ihrem besseren Selbst zurück.

Dabei sind der Kleinkriminelle Bruno und die Deutschlehrerin Isabelle, die Hals über Kopf vor der Polizei geflohen sind, ganz und gar planlos in diese Naturidylle gestolpert. Auf der Suche nach einem Unterschlupf entdecken sie einen alten Bunker am Fluß mitten im Wald. Dort verbringt das frisch verliebte Paar zeitlose Augenblicke voller Licht, Wasser und Liebe. Für einen Moment werden sie wieder zu Kindern, die Zukunft, das wirkliche Leben, liegen hell und vielversprechend vor ihnen. Geflohen sind sie nicht nur vor der Polizei, die Bruno wegen eines Autodiebstahls sucht. Die Flucht ist auch der Ausbruch aus ihrem unbefriedigenden Leben. Der wortkarge Bruno hielt sich mit Diebstählen über Wasser.

Guillaume Depardieu verkörpert ihn in einer seiner letzten Rollen vor seinem frühen Tod 2008 mit eindringlicher Intensität. Es ist berührend, wie er diesem in der Stadt anfangs so ausgezehrten und abgekämpften Mann in der Natur auf einmal ungeahnte Züge von Zärtlichkeit und Verletzlichkeit verleiht. Auch Isabelle verändert sich in der Wildnis. Als blasse Aushilfslehrerin war sie frustriert von ihrem Job, der sie von einem Ort zum anderen verschlug, wo sie dann doch auf die immer gleichen desinteressierten Schüler traf. Nun plantscht sie übermütig im Wasser, fängt Fische mit den Händen und pirscht auf Indianerfüßen durch den Wald.

Der Übergang zwischen Zivilisation und Wildnis markiert auch einen Bruch in der Bildsprache. Im ersten Drittel des Films herrschen spröde, dokumentarische Bilder vor, die nach der Flucht aus der Zivilisation in elegische Naturaufnahmen übergehen. Sarah Leonor ist in ihrem Langfilmdebüt AU VOLEUR – A REAL LIFE ein leicht erzähltes Gleichnis über Glück und Tragik des menschlichen Daseins gelungen. Doch ein Fluß steht niemals still. Und so trägt er auch Isabelle und Bruno aus ihrem Paradies wieder zurück ins wirkliche Leben.

[ Dörthe Gromes ]

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