D 2009, 106 min
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation

Regie: Andrea Lammers, Ulrich Miller

Kinostart: 16.07.09

39 Bewertungen

Auf halbem Weg zum Himmel

Ein unbeugsames Urwalddorf in Guatemala

Zwischen Leipzig und dem selbstverwalteten guatemaltekischen Urwalddorf „La Aurora“ liegen Welten. Die Leipziger Filmemacher Ulrich Miller und Andrea Lammers haben sich daran gemacht, diese Entfernung zu überbrücken. Ihr gerade fertig gestellter Dokumentarfilm, an dem sie über zehn Jahre gearbeitet haben, beweist auf eindrucksvolle Weise, daß ihnen dieser Brückenschlag gelungen ist.

Anlaß für die Filmarbeiten war ein Massaker, das eine Militärpatrouille 1995 in „La Aurora“ anrichtete. Die Gemeinde war gerade dabei, ein Fest anläßlich des ersten Jubiläums der Gründung ihrer selbstverwalteten Gemeinde zu feiern, als die schwer bewaffneten Militärs begannen, sie zu provozieren. Die grausame Bilanz dieses Tages waren elf tote und über 20 verwundete Dorfbewohner. Solch exzessive militärische Gewalt gegen (meist indigene) Zivilisten war im Guatemala der 90er Jahre nicht mal eine Seltenheit. Das Besondere an diesem Fall ist, daß sich die Siedler trotz massiver Drohungen nicht einschüchtern ließen. Sie pochten auf ihr Recht und verklagten die Militärs, obwohl ihnen anfangs niemand eine Chance einräumte.

Ulrich Miller und Andrea Lammers haben mit ihrem Low-Budget-Filmprojekt am Kampf der Dorfbewohner jahrelang Anteil genommen, auch in Zeiten, als es keineswegs danach aussah, daß diese ihr Recht bekommen würden. Diese jahrelange Vertrautheit merkt man den Gesprächen an. Die Siedler begreifen die beiden deutschen Filmemacher nicht als Fremde, sondern als Freunde. Sie wissen genau, daß die Kamera ihre Chance ist, der Welt ihre Version der Geschichte zu erzählen. Sie nutzen diese Chance und berichten mit einfachen, aber sehr treffenden Worten über ihre Traumata und ihre Träume.

Die großartigen Protagonisten, die einfallsreiche, bisweilen poetische Bildgestaltung des Kameramannes Lars Barthel und exzellente Musik (mit dabei: Built To Spill-Sänger Doug Martsch und Freejazz-Legende Barre Phillips) machen AUF HALBEM WEG ZUM HIMMEL zu einem ungewöhnlich fesselnden Dokumentarfilm.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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