D 2008, 106 min
Verleih: Zorro

Genre: Dokumentation, Historie

Darsteller: Michael Ballhaus, Doris Dörrie, Andreas Dresen, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders, Hans Zischler

Regie: Michael Althen, Hans Helmut Prinzler

Kinostart: 17.07.08

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Auge in Auge

Was für eine Vergangenheit!

Leipzig kommt! So titulierte vor einigen Jahren zukunftsgewiß die Messestädtische Eigenwerbung. Und der Volksmund reagierte darauf wie gehabt: Leipzig kommt? Ja, nicht aus dem Arsch.

Das Polemische fortsetzend, könnte man sagen, der Spruch funktioniert auch ziemlich gut, wenn man Leipzig durch deutsches Kino ersetzt. Auch, weil beides sich an einer Vergangenheit reibt, die so verheißungsvoll irrlichtert, daß der Wunsch sie wieder Zukunft werden zu lassen, ja nicht ganz unverständlich ist. AUGE IN AUGE ist ein Essay in Bildern. Ein - ja, tatsächlich - entspannter, anregender und auch anrührender Spaziergang durch 110 Jahre deutsche Filmgeschichte.

Zehn deutsche Kinomacher - unter anderen Michael Ballhaus, Christian Petzold, Wim Wenders - spazierten mit und klaubten dabei aus dem unglaublichen Fundus heimischer Filmkunst ihre persönlichen Lieblinge. Um ihnen erneut und vor laufender Kamera, eine weitere Liebeserklärung zu machen. Dazwischen gibt es kleine Intermezzi: in Kapitel unterteilte, schlicht grandios montierte Szenencollagen. Etwa "Der deutsche Blick: Männer", bei dem man im Eildurchlauf Auge in Auge ist mit Max Schreck, Peter Lorre, Heinrich George, Hans Albers É Oder Klaus Kinski, Rüdiger Vogler, Karl Heinz Böhm É (ja, auch der Til Schweiger darf da mal blinzeln). Es sind Dutzende. Und wenn dann erst die Frauen dran sind!

Doch, doch - die Vergangenheit war groß. Und auch ihre dunklen Jahre kommen nicht zu kurz. Jene Jahre, in denen das Kino zur Hure der Barbarei, zum Tempel des ideologischen Stumpfsinns degenerierte.

Und dennoch, was dem Filmjournalisten Michael Althen und dem Filmhistoriker Hans Helmut Prinzler mit AUGE IN AUGE gelungen ist, ist ein Blick zurück, ohne zu erstarren. Kino ist schließlich und letztlich - trotz alledem - die einzige Liebe, die nicht blind macht. Wo Sehen, Träumen und Begreifen so wunderbar verwoben sein können, wie in keiner Kunst sonst.

Wie gut das auch gerade deutsche Filme beherrschten, kann und sollte man sich hier noch einmal anschauen. Ja, verdammt, was für eine Vergangenheit! Was die Zukunft bringt? Warten wir es ab.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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