Originaltitel: RODIN

F 2017, 119 min
FSK 6
Verleih: Wild Bunch

Genre: Biographie, Drama

Darsteller: Vincent Lindon, Izïa Higelin, Séverine Caneele

Stab:
Regie: Jacques Doillon
Drehbuch: Jacques Doillon

Kinostart: 31.08.17

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Auguste Rodin

Denk mal in Bewegung!

„Dem Biest etwas Leben einhauchen.“ So darf Regisseur Jacques Doillon zitiert werden, wenn es um die Genesis dieses Filmprojekts geht. Es begann, wie man liest, mit der Regie-Anfrage für einen Dokumentarfilm zum 100. Todestag des französischen Plastikers und Skulpteurs Rodin, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wie kaum ein anderer an der Grenze zwischen akademischer und modern-beseelter Refiguration herummodellierte. Und es endete in dieser fiktionalisierten Teil-Biographie eines im kunsthistorischen Jargon zum Denkmal erstarrten Königs, dem zu Lebzeiten so manche Krone verweigert wurde. Dabei war und ist Rodins Kunst eine, die (sich) bewegen will. Die mit den Händen unter die Kleider fährt, in die Bäuche greift, über die Wangen streichelt und ja, sowohl Figur als auch Modell und Betrachter überall anfaßt.

Doillon faßt seinen biographisch-fiktionalen Erzählgegenstand um 1880 an. Rodin hat zu dieser Zeit die erfolglosen Jahre bereits hinter sich. Im Atelier nimmt der Entwurf zum beauftragten Hochrelief „Höllentor“ Gestalt an – und wird bis zur Fertigstellung kurz vor Rodins Tod 1917 immer wieder verändert. Dieses Ändern, dieses Nasen-noch-einmal-anders-Biegen, einen Faltenwurf in einen Absturz, ein Jochbein in eine Streichelbahn verwandeln – dafür interessiert sich Doillon. Und er entwickelt eine szenische Choreographie, bisweilen zu rätselhaft aus dem Off eindringender Kammermusik, in der sich Rodin seine Plastiken geradezu erläuft: durch Arbeits- und Privaträume, durch offiziöse Foyers und intime Separees, links und rechts herum um Vorstudien, vorbei an prominenten Porträtsitzenden, um ihr Wesentliches in einem Nebenzimmer zu ertasten.

Das Biest ist störrisch. Wer einen Film über Auguste Rodin machen will, muß durch das Bett von Camille Claudel. Und durch die Laken der anderen Angetrauten und Geliebten, an denen Rodin seinen Sinn für Formen in Bewegung schulte. So oder so wird daraus auch ein Leidenschaftsfilm – in Körpern, in Küssen, in Ton, in Marmor. Der gewaltigste Berg, den Doillon jedoch überwinden muß, ist der Film von Bruno Nuytten. Nicht, daß CAMILLE CLAUDEL (1988) wirklich ein Bahnbrecher der französischen Kinogeschichte gewesen wäre. Aber er hat mit Gérard Depardieu und Isabelle Adjani Gesichter gesetzt. Doillons spröderes filmisches Konzept wird sie nicht auslöschen können, nur irritieren.

[ Sylvia Görke ]

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