Originaltitel: L’EMPLOI DU TEMPS

F 2001, 128 min
Verleih: Alamode

Genre: Drama

Darsteller: Aurélien Recoing, Karin Viard, Serge Livrozet

Regie: Laurent Cantet

Kinostart: 23.01.03

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Auszeit

Leben mit der Lüge

Man kennt sie ja, diese vom Glück begünstigten Menschen, denen einfach alles gelingt! Vincent gehört dazu: Ehefrau Muriel liebt ihn aus tiefer Seele, der pubertierende Sohn macht zwar manchmal Ärger, aber seine zwei kleineren Kinder sind so süß, daß in jedem Nicht-Vater sofort lauthals die biologische Uhr lostickt. Außerdem arbeitet Vincent neuerdings bei der UNO. Da springen die Eltern vor lauter Stolz aus den Puschen, vermag die Familie sogar Vincents nur sporadische Anwesenheit zu verkraften. Ach, wie schön das Leben doch sein kann!

Oder besser: könnte. Denn der tolle Job ist schlichtweg erstunken und erlogen. In Wahrheit wurde unser Workaholic bereits vor Monaten entlassen, sitzt tagsüber nicht hinter einem edlen Schreibtisch, sondern im Auto, verbringt dort ebenfalls die Nächte. Niemand ahnt etwas davon – der Einfallsreiche finanziert den absurden Betrug, indem er aller Welt Geld für angeblich mordsmäßig lukrative Investitionen aus der Tasche zieht. Doch Lügen haben nun mal die unangenehme Eigenschaft, sich zu verselbständigen, und so strauchelt Vincent zunächst nur leicht, gerät dann schwer ins Stolpern, um schließlich bäuchlings im Dreck zu liegen ...

Laurent Cantet nimmt sich alle Zeit, berichtet ohne größere Ausbrüche und bar jeglicher Effekthascherei beunruhigend still von der Flucht eines kleinen Mannes vor sich selbst, welche zum Tanz auf dem Vulkan gerät. Meist vertraut er dabei sein Werk einfach dem Hauptdarsteller Aurélien Recoing an, welcher es ihm mit einer präzisen, intensiven Performance dankt – seit langem war kein Antiheld so liebenswert verloren.

Allerdings muß Cantets komplexer, nüchterner, manchmal beklemmender Film im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger RESSOURCES HUMAINES Federn lassen – gebrauchte des Regisseurs cineastische Küche dort scharfen sozialen Pfeffer und beißend emotionalen Chili, würzt sie diese AUSZEIT vorsichtiger. Gerade die bitter sarkastisch gedachte, aber aufgrund ihrer Inkonsequenz überflüssige Pointe schmeckt recht fade. Lecker ist das hier gezauberte Menü somit zwar noch immer, nur vermißt man eben ein wirkliches Brennen auf der Zunge.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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