D 2017, 93 min
FSK 12
Verleih: Constantin

Genre: Drama

Darsteller: Jasna Fritzi Bauer, Laura Tonke, Bernhard Schütz, Mavie Hörbiger, Arly Jover, Julius Feldmeier

Regie: Helene Hegemann

Kinostart: 29.06.17

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Axolotl Overkill

Mifti muß mit!

Knapp beschrieben wird die Hauptfigur aus AXOLOTL OVERKILL folgendermaßen: „Mifti ist 16, sieht aus wie 12 und verhält sich wie Mitte 30.“ Auf Jasna Fritzi Bauer gemünzt, Miftis Darstellerin, hieße es: Sie ist 27, sieht aus wie 16 und verhält sich wie eine Schauspielerin von Mitte 30, die ihr Handwerk versteht. Regisseurin und Drehbuchautorin Helene Hegemann geht sogar noch einen Schritt weiter: „Sie kann aussehen wie eine 30jährige Geschäftsfrau und wie ein 10jähriger Junge, manchmal sogar gleichzeitig.“ Typischer Fall von Idealbesetzung!

AXOLOTL OVERKILL beginnt mit einem Versprechen: Das Setting ist heiß im Atem und angemessen rotzig in Szene gesetzt. Es dauert keine vier Minuten bis zum ersten „Fuck You!“ In die Irre geführt wird hier nicht. Klare Ansagen! Da ist ein Mädchen, das die Schule verweigert, sich aber trotzdem hinschleppt, das mit Jungs und Männern, Frauen und Drogen herummacht. Mifti wird von einer Alternativtherapeutin als „Palliativpatientin der Psychiatrie“ bezeichnet. Mal drüber nachdenken!

Da ist eine große Halbschwester, die an Mifti herumzerrt, die schreit und droht und heult, also das macht, was eine volle Mutter tun würde, gäbe es sie noch. Da ist auch noch ein gemäßigter Halbbruder in der Bude, die keine Wohnung sein will. Und da ist Bernhard Schütz, die Allzweckwaffe für angeschrägte deutsche Stoffe, als abwesender, schwer derangierter Vater im Architektenhaus mit abgebrochenem Beton, wo beim obskuren Familientreffen schon mal herzhaft über Terrorismuskultur gestritten wird.

Große Entwicklungen wird es nicht geben, zumal sich das flippige Drama mit diesen Blenden ins Tagein-Tagaus einer Verweigerung immer stärker selbst gefällt. Mit lose aneinandergeketteten, hart rhythmischen Szenen wie im Leben der Charaktere selbst. Irgendwas zwischen Wegdüsen und Bodenhaftung. Einiges davon glaubt man in anderen Filmen schon gesehen zu haben. So oder so stimmt es sogar.

Helene Hegemann selbst hat ihren Roman „Axolotl Roadkill“ von 2010 adaptiert. Wie schon in ihrem Filmdebüt TORPEDO soll es einfach keinen Halt in einer Geschichte geben. Lineares wäre für Hegemann die Steigerungsform von Teufelszeug. Eher haben es ihr Aggregatzustände angetan. Lose erzählt, versponnen, dann stramm direkt, lösungsunorientiert, ja, -uninteressiert, was kein Vorwurf ist. Es dreht sich nur ab einem zu frühen Moment um sich selbst.

[ Andreas Körner ]

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