Originaltitel: BAB’AZIZ

CH/Ungarn/F/D/Iran/Tunesien/GB 2005, 98 min
Verleih: Kairos

Genre: Drama, Poesie

Darsteller: Parviz Shahinkhou, Maryam Hamid, Hossein Panahi, Nessim Khaloul, Mohamed Graïaa

Stab:
Regie: Nacer Khemir
Drehbuch: Nacer Khemir

Kinostart: 17.07.08

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Bab’Aziz

Ein Geschichtenzyklus über das innere Sehen

Manchmal hat man das Vergnügen, einen wirklich außergewöhnlichen Film zu sehen. Einen, der rauschhafte Kameraarbeit in den Dienst seiner Geschichte stellt und nicht umgekehrt. Der in fremde Sphären entführt, unbekannte Sichten zeigt, aber trotzdem so mitreißend erzählt, daß ihn aufgeschlossene Zuschauer überall auf der Welt verstehen. Wenn dann noch reine Magie auf der Leinwand knistert, weiß man endlich wieder, wofür das Kino einst erfunden wurde. Mit BAB’AZIZ entstand solch' ein ganz besonderer Film. Wie alle echten Erlebnisse braucht er keine unnötig füllenden Worte, keine ausufernden Hirnkonstrukte, um sein Anliegen zu transportieren.

Es reicht, einen blinden Derwisch nebst Enkelin auf eine Reise quer durch die Wüste zu schicken. Unterwegs treffen sie allerlei andere Menschen, die Geschichten zum Besten geben, welche gleichzeitig Augen, Herz und Seele für Schönheit, Spiritualität sowie zwischenmenschliche Werte öffnen. Verwunschene Paläste spielen eine Rolle, wunderschöne Frauen oder Prinzen auf der Suche, während sich der Kinosaal verwandelt, zu einem träumerischen Ort voller Gegensätze wird. Realität und Fiktion, Moderne und Tradition, Märchen und Wissen verschmelzen zu einem alle Sinne berührenden Mosaik unglaublicher Themenvielfalt. Um nur einige Schlagworte zu nennen: Liebe, Verlust, Neubeginn, Abschied, Freiheit, Selbsterkenntnis. Die Liste ließe sich praktisch endlos fortsetzen.

Zwangsläufig prallt da oftmals fernöstlicher Glauben auf westliche Anschauungen, was zu manchem Unverständnis führen könnte, beispielsweise beim vielleicht berührendsten Satz: "Wie kann der Tod das Ende von etwas sein, das keinen Anfang hat?" Denn natürlich gehört auch hier das irdische Ende zur Existenz dazu, stellt jedoch eben kein zu fürchtendes Schreckgespenst, sondern Fortführung der auf Erden verbrachten Zeit dar. Zu Recht konfrontierte Khalil Gibran in "Der Prophet" die Menschen mit ihrem "wortlosen Wissen vom Jenseits."

Tatsächlich scheint es streckenweise fast so, als wäre dieses zeitlose Meisterwerk philosophischer Dichtkunst nun inklusive all seiner Weisheit prächtig bebildert auf der Leinwand zu bewegtem Leben erwacht. Kann man über BAB’AZIZ etwas Schöneres sagen oder sich gar mehr wünschen?!

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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