D 2018, 93 min
Verleih: Finimondo

Genre: Dokumentation

Regie: Gianluca Vallero

Kinostart: 31.01.19

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Balkan Dreams

Langzeitporträt aus der Diaspora

Das sind ja so Bilder, die man eventuell dank kolportierter Klischees, nicht zuletzt denen des Kinos, oder tatsächlich auch dank eigenen Erlebens kennen mag. Da sieht man dann eine hübsche Kaschemme und in dieser eine Feiergesellschaft, die bevorzugterweise in schon etwas desolaterem Zustand ist. Auch ob einer dieser Balkan-Beat-Kapellen, einer dieser Trubaci- Truppen, die zum Tanz aufspielen. Hitzig und wie trunken von Lebenslust und Wehmut. Und vom Slivovice natürlich auch.

Professor Trifkovic würde darüber wohl nur milde lächeln. Dem freundlichen älteren Mann gehört die erste Szene in Gianluca Valleros Dokumentarfilm BALKAN DREAMS. Eine Langzeitbeobachtung, die in Berlin fünf Jahre lang fünf Ex-Jugoslawen begleitet. Die, weit jenseits aller heimeligen Genre-Bilder, eintaucht in diese Berliner Balkan-Diaspora. Und ein wahrlich desillusionierendes Bild hinterläßt.

Eins, das zumindest in Teilen wiederum anderweitige Klischees bestätigen dürfte. Etwa, wenn die Doku einen ihrer Protagonisten „runter nach Serbien“ begleitet: „’ne Braut suchen“ wie der korpulente Jüngling das auf den Punkt bringt. Ist Tradition, muß man durch. Die Suche endet glücklich, das Urteil über die gefundene Liebe könnte liebevoller kaum ausfallen: „Als ich festgestellt habe, daß sie doch noch ´ne Jungfrau war, ist mir erst einmal ein Stein vom Herzen gefallen.“ Immerhin ein Traum, der sich in BALKAN DREAMS erfüllt. Denn ob Kroaten, Serben, Sinti – sieht man vom schon erwähnten Professor Trifkovic ab, hängt hier jeder der Porträtierten mehr oder weniger in den Seilen. Und die Doku mit ihnen.

In der bleibt die innere Zerrissenheit, die ein zumal von Kriegserfahrungen gezeichnetes Leben zwischen Exil und Heimat, Modernität und Tradition hervorrufen kann, in einer irgendwie lapidaren Ungenauigkeit haften. So wie die Musik, hier eigentlich Zukunftstraum-Metapher und Menetekel dafür, warum dieser Traum sich nicht erfüllt, zum beliebig dramaturgischen Begleitmotiv schrumpft.

Denn was man unterm Strich in BALKAN DREAMS vornehmlich wieder mal sieht, sind wieder mal Männer, die weniger an widrigen Umständen als vornehmlich an sich selbst scheitern. Inwiefern das auch aus kultureller Prägung erwachsene Mentalstrukturen verschulden, ist zwar interessant, hier aber insofern wurscht, als daß die beredten, starken Momente dieser Doku die wenigen sind, in denen mal Frauen zu Wort kommen dürfen. Das sagt einiges. Wenn nicht alles.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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