Österreich/Belgien/F 2016, 92 min
FSK 0
Verleih: MFA

Genre: Dokumentation

Regie: Robert Schabus

Kinostart: 23.03.17

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Bauer unser

Beunruhigende Nachrichten vom Bauernhof

Dieser Dokumentarfilm nimmt eine Bestandsaufnahme vor. Er untersucht mit klaren Bildern und Fragestellungen, wie es heutzutage in der Landwirtschaft zugeht. Die Protagonisten bilden die gesamte Bandbreite des landwirtschaftlichen Spektrums ab, vom expandierenden Schweinezüchter über den Biobauern mit Hofladen und Erntehelfern mit Dreadlocks bis zum Zwei-Personen-Betrieb eines älteren Ehepaars, das auf seinem Bio-Milchschafhof noch jeden Handgriff allein tut.

Statt idyllische Landschaftaufnahmen mit einem allwissenden Kommentar zu verbinden, nimmt BAUER UNSER eine analytische Makroperspektive ein. Jeder vorgestellte Betrieb wird zunächst aus der Drohnenperspektive eingeführt, in der besonders gut erkennbar ist, wie sehr die Architektur moderner Bauernhöfe der Steigerung der Effizienz verpflichtet ist. Die Zeit malerischer Heuböden, windschiefer Scheunen und verwitterter Holzzäune ist lange vorbei. Nicht mehr Traditionen bestimmen den bäuerlichen Alltag, sondern Subventionen. 70% des bäuerlichen Einkommens stammen inzwischen aus öffentlichen Geldern. Gleichzeitig sinken die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse beständig, so daß es für viele der Gesprächspartner nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, wann das System kollabiert.

Es gelingt Regisseur Robert Schabus mit leichter Hand, das komplizierte Interessensgeflecht aus Wirtschaft, Politik und Landwirten gut verständlich nachzuzeichnen, indem er neben den Landwirten auch Aktivisten, Politiker und Lobbyisten befragt. Und während immer deutlicher wird, daß der Niedergang der Landwirtschaft keineswegs ein europaspezifisches Phänomen ist, beginnt sich eine Frage immer deutlicher abzuzeichnen: Cui bono? Wem nützt es?

Schabus beläßt es an dieser Stelle bei einer knappen Antwort. Das ist seinem Anliegen absolut angemessen. Schließlich geht es ihm darum, diejenigen zu feiern, ohne deren Arbeit niemand überleben könnte – weder in Österreich noch anderswo. Mit BAUER UNSER setzt er seinen Protagonisten ein filmisches Denkmal, das absolut frei von Pathos ist, seine Zuschauer aber hoffentlich dennoch dazu bringen wird, vor dem nächsten Einkauf zweimal zu überlegen, unter welchen Bedingungen der Inhalt ihres Kühlschranks produziert wurde.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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