Originaltitel: THE BEACH BUM

USA 2018, 95 min
FSK 16
Verleih: Constantin

Genre: Roadmovie, Schräg

Darsteller: Matthew McConaughey, Isla Fisher, Snoop Dogg, Zac Efron, Martin Lawrence

Regie: Harmony Korine

Kinostart: 28.03.19

1 Bewertung

Beach Bum

Words (Don’t Come Easy)

… heißt nicht bloß ein 80er-Klassiker F.R. Davids, ähnliches könnte bald auch Moondog brabbeln. Und der um sachliche Formulierung ringende Rezensent müßte vorbehaltlos beipflichten, aber hey, wozu wurde man Kritiker, also zurück zu Moondog. Vorab laienhaft diagnostiziert: eine Komplettmacke.

Einst aufstrebender Autor, killte exzessiver Drogenkonsum das Talent; kein Problem, in diesem Fall heiratet man(n) eben reich. Nie endender Sommer, aus intimen Stellen gleißende Sonne, mehr braucht’s des Tiefenentspannten Philosophie folgend nicht, vielleicht krönend ein rumgeschlepptes Findelkätzchen sanft abfüllen, bis es große Augen kriegt, oder knuffig inszeniert am Hafen tanzen. Moondogs Angetraute namens Minnie schwingt indes letztmalig die stets lediglich notdürftig verhüllte Hüfte. Trauer? Angedeutet, sehnsüchtige Erinnerungen betreffen primär den Umstand, daß die Verblichene „wie ein Python“ blasen konnte. Wohl ein biologisch-sexuelles Fräuleinwunder und clever dazu, in düsterer Vorahnung hat Minnie Moondogs Erbe verriegelt, einzig ein Buch aus seiner Feder löst die testamentarische Sperre. Derart gezwungen, begibt sich unser Witwer auf inspirative Reise, trifft Zac Efron als religiösen Feuerfan (bekanntlich bereits zu Mittelalterzeiten eine bittere Kombination) und schaut Martin Lawrence beim blutig-schrägen Körperteilsverlust zu.

Ein kurzer Gedankenabstecher scheint nötig, wir nehmen die nächste Ausfahrt und landen direkt in Harmony Korines abseitigem Universum. Dort rascheln Skripts à la KIDS oder KEN PARK aufmüpfig, linst unverhohlener Wahnsinn aus dem „Rentnerdarsteller ficken Mülltonnen und anderes Zeug aus ihrer Umgebung“-Schmierbrocken TRASH HUMPERS. Vom Mädels-wollen-richtig-Spaß-Klopper SPRING BREAKERS gab’s hierzulande gar neben der nur Erwachsenen erlaubten Originalfassung eine Version ab 16. Für die weder Sex noch Brutalität wichen, nein, die gnädigere Freigabe basierte allein auf hinzugefügten Texteinblendungen. Selbige informierten abschließend über die gesetzliche Bestrafung der bösen Girlies, welche ergo, jegliche Regie-Intention verdrehend, Recht und Ordnung nicht entkamen – Deutschland, Deine jugendschützenden Moralpostel! Möchte zusammengenommen sagen: Korines Geschäft verkaufte schon immer Provokation, manchmal um jeden Preis.

Umso irritierender, wie vergleichsweise zurückgenommen mild sich jetzt Moondogs Trip positioniert. Okay, eine wortwörtlich gegen die Wand gefahrene ältere Dame treibt Korrektheitsfanatiker sicher zur Galle spuckenden Tirade – normale, Realität von Kinofiktion unterscheidende Menschen grinsen eher endlich angenehm schwarzhumorig angesackt, während sie weiter und im Endeffekt ohne Erfolg echte Tabubrüche ersehnen. Ungeachtet des grandiosen Song-Soundtracks, farblich sehr experimentierfreudiger Optik fordert daher zunehmend eine gewisse Grundlangeweile Sitzfleisch. Wer mag, darf wenigstens Matthew McConaugheys entsprechende Ausstattung, nahezu nackt prominent ins Bild gerückt, bewundern; mimisch erfreut der gereifte Ex-Bubi eh.

Wenn ins eigene Ich horchend zwei Seelen streiten, ob man Moondog nun bedauerns- oder bewundernswert findet, jenes selbstvergessene Pfeifen auf Zwänge und Regeln verurteilt oder beneidet, schlägt Korines alte Form inklusive deutlicher Hingabe ans Unnormierte allerdings plötzlich wieder voll durch. Am finalen Ganz-schön-viel-anstrengendes-Gelaber-um-kaum-Substanz-Eindruck ändert’s zwar nix. Trotzdem schafft Korine gleichzeitig etwas überraschend Neues, nämlich erstmals die omnipräsente Suche nach dem Sinn seines Films zumindest rudimentär mit der ewigen Frage bezüglich eines Lebenssinns zu verknüpfen.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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