D 2007, 95 min
Verleih: Warner

Genre: Erwachsenwerden

Darsteller: Robert Stadlober, Anna Brüggemann, Axel Schreiber

Stab:
Regie: Wolfgang Eißler
Drehbuch: Wolfgang Eißler

Kinostart: 28.02.08

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Berlin am Meer

Geistlosigkeit in Form gebracht

Nehmen wir das Gute vorweg, sind die Bemühungen der Kamera-Arbeit zu erwähnen. An Experimentierfreude und handwerklichem Geschick mangelt es hier - das ist offensichtlich - nicht. Beinahe hätten Worte wie "Konzept" und "interessant" oder gar "adäquat" Verwendung gefunden. Konzepte aber gründen auf Ideen, interessant wäre eine Geschichte gewesen, und diese hätte adäquat umgesetzt sein können. Zum Beispiel in bewegte Bilder.

BERLIN AM MEER aber ist leider Kino für Leute mit feuchten Wohnungen, und auch die müßten idealerweise aus der Hauptstadt kommen. Wie die Protagonisten. Tom (ein Energie geladener Robert Stadlober) und sein ganz dicker Kumpel Malte (ein Axel Schreiber als Frauchenverführer) legen dort als DJs in abgefahrenen Clubs auf und träumen von der ganz großen Karriere. Zwist kommt auf, weil sich Tom heimlich an Musikhochschulen beworben hat, und in der WG bei Mitsch (Claudius Franz als Studienversager) herrscht Mißmut, weil sich dessen verblödete, Politik studierende Schwester aus dem spießigen München angesagt hat. Zum Glück treibt aller Freundin Margarete (Jana Pallaske) immer mal wieder Glücksbringer im Handtaschenformat auf, Kekse gibt’s sowieso bei jeder Party, und Tom sieht trotz aller Absagebriefe ein Licht am gegenüberliegenden Bahnsteig, genau dort, wo die verhaßte Schwester Mitschs schließlich tatsächlich dem ICE entstiegen ist.

Kamerafahrten im Zeitraffer, Überblendungen, Super-8-und Tricksequenzen - die Aufzählung dessen, womit man sich hier mühte, einen derart lapidaren Quark immerhin flott in Szene zu setzen, wäre zu vervollständigen. Wichtiger erscheint allerdings die Frage, warum das getan werden mußte. Tritt BERLIN AM MEER den Zelluloid gewordenen Beweis dafür an, wohin es mit dem Film geht, wenn junge Menschen nur Herr(en) der Technik(en), nicht aber ihres Geistes sind? Wer daran glauben will, daß in diesem Berliner Sommerfilmchen anderes verhandelt wird als öder Partygeist und Paarungsprobleme wird sicher fündig.

Hier und da gerät Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Eißler tatsächlich in die Nähe einer Charakterzeichnung, und an Konfliktpotential mangelt es seinen Figuren bei weitem nicht. Leider scheut er und verläßt sich, anstatt seine Arbeit zu machen, auf die Bilder einer Stadt und ein enthusiastisches Ensemble im Schwange der Gefühle.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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