D 2011, 100 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen
Genre: Tragikomödie, Poesie
Darsteller: Otto Sander, Angelica Domröse, Ralf Wolter, Anna Maria Mühe
Stab:
Regie: Bernd Böhlich
Drehbuch: Bernd Böhlich
Kinostart: 12.07.12
Ein quiekendes „Huch!“ erklingt aus Amelies Mund, als sie – blond, stets fröhlich und Pflegerin im Seniorenheim – beim Transport eines Bewohners dessen Bett mit ihm drin erst mal gegen die Wand runkst. Und man ahnt gleich: Zustände wie im Alten Rom! Hier soll Annegret, vom Sohn abgeschoben, ihren Lebensabend verbringen. Immer noch attraktiv und stolz, ist Annegret entsprechend wenig begeistert über ausuferndes Regelwerk, Lesenachmittage sowie Gemeinschaftsessen. Was Herr Tiedgen absolut identisch sieht und, vielleicht gar etwas in die rebellische Schöne verliebt, bei einem Heim-Rundflug kurzerhand die Propellermaschine entführt. Nach einer demokratischen Abstimmung und Amelies Inhaftierung im Bord-WC folgt der Kurswechsel – ans Meer soll die Reise wahrscheinlich letztmalig gehen.
Nun beweist der zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Kritik weiterhin anhaltende Erfolg von UND WENN WIR ALLE ZUSAMMENZIEHEN?, daß alte Menschen zumindest im Kino dankenswerterweise eben nicht ignoriert werden. An besagtes Wunderwerk kann Bernd Böhlichs Arbeit zwar nicht voll anschließen – zu wenig subtil wirkt mancher Dialog, zu stark plustern sich einige Details auf. Dennoch sind beide Filme ohne Zweifel Geschwister im Geiste und einander qualitativ nicht unähnlich. Dafür sorgen auch hiesig schon allein die gestandenen Darsteller: Otto Sander als Herr Tiedgen mit Träumen und Hang zum sarkastischen Bonmot, die durch ein kurzes Lächeln wahre Emotions-Universen aufleuchten lassende Angelica Domröse, ein wunderbar knarziger Herbert Köfer ...
Gegen derartige Ausdrucksstärke kann das prominent besetzte, zweifelsfrei talentierte Jungvolk keinerlei Chance haben. Folgerichtig vertraut Böhlich in den stärksten Momenten einfach bloß seinem Rentner-Ensemble – genial, wenn Ex-Filmdiva Fanny ihr rauschendes Comeback als arabische Terroristin (!) feiert. Rührend, wie sich nach 50 Jahren die Hoffnung auf einen Kuß erfüllt. Amüsant Frau Miesbachs spontane Emanzipation. Und so weiter. Außerdem angenehm: Der Mann weiß, wann Schluß sein sollte. Keine unnötige Überlänge, keine großen Erklärungen, nur ein finaler Satz zum wehmütigen Knuddeln.
Diese Senioren-Odyssee meint es analog zum erwähnten französischen Vorreiter nicht einfach bloß moralisch korrekt gut, sondern trägt das Herz immer am rechten Fleck. Und es pocht laut, voller Leidenschaft.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme mit Wahrheit. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Und Frank kann GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...
[ 18.07.12, 21:14:44 – Schindluderhannes ]
Keine Ahnung, aber ich kann das leider nicht bestätigen. ok, die Darsteller hatten sicher früher mal ihre guten Zeiten, aber dieser Film ist einfach nur eine Zumutung. Auch schauspielerisch. Stadlober? Was macht der eigentlich beruflich? Und ich spreche hier im Namen der gesamten Familie. Mutter, Vater, Großmutter, Kind1, Kind2. Kind2 und Oma wollten Kino sogar vorzeitig verlassen (wurde ihnen aber verboten, wegen der teuren Karten). An einem Sonntag nachmittag waren alle kollossal genervt, wie selten bei einem Kinofilm. Und danach auch noch. Es kam sogar noch zum Familienkrach. Ja wieso eigentlich KINO? Eher was für die 3. Programme zu Pfingsten oder so ... Einfaltslos, von der Stange, voraussehbar, nichtssagend, unspektakulär, verkrampft, irgendwie zusammengekloppt, sind nur einige Attribute, die mir einfallen. Ein weiteres Armutszeugnis deutscher Filmkunst. Kopfgeburt von A-Z. No Soul.
"Wir müssen unbedingt mal was über Rentner machen, das werden ja jetzt auch immer mehr... Ja! Genau wie die Franzosen...
Und sooo ist der Steifn! Puh! Habe fertig.
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