D 2001, 102 min
Verleih: X Verleih

Genre: Dokumentation, Biographie, Polit

Stab:
Regie: Andres Veiel
Drehbuch: Andres Veiel

Kinostart: 28.06.01

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Black Box BRD

Vorstandssprecher und RAF-Terrorist - zwei deutsche Biographien

Am 30. November 1989 wird Alfred Herrhausen ermordet, am 27. Juni 1993 stirbt Wolfgang Grams nach einem Schußwechsel. Andres Veiel stellt das Sprengstoffattentat, zu dem sich die RAF bekannte, an den Anfang und die Schießerei von Bad Kleinen an das Ende seiner Dokumentation, öffnet sie damit gleichermaßen in Vergangenheit und Zukunft. Denn beide Tode sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt, und Veiel kann und will den deutschen Behörden diese Arbeit nicht abnehmen. Dem Enthüllungsjournalisten würde man hier Unfähigkeit vorwerfen, dem Filmemacher muß man dankbar sein, weil er einfachen Erklärungen aus dem Weg geht.

Herrhausen ist in den 80er Jahren die bestimmende Manager-Figur der deutschen Wirtschaft, fungiert als Vorstandssprecher der Deutschen Bank wie auch als wirtschaftspolitischer Sprecher von Helmut Kohl. In den Gesprächen mit seiner zweiten Frau Traudl und ehemaligen Kollegen und Vertrauten entsteht hinter dem Bild des kühlen Rechners und Geschäftsmannes allerdings auch das eines unkonventionellen Veränderers, der beispielsweise für die Entschuldung der Dritten Welt eintrat und sich damit auch den Unmut der Parteigänger aus dem konservativen Lager zuzog. Ebenso differenziert ist der Blick auf den Lebensweg von Wolfgang Grams, über den seine Eltern sowie Mitkämpfer und Sympathisanten der militanten Linken Auskunft geben. Diese Interviews, in denen die Gesprächspartner zum Teil sehr viel von ihrer eigenen Zerrissenheit preisgeben, dokumentieren eine Entwicklung zunehmender politischer Radikalisierung bis zum Abtauchen in den bewaffneten Untergrund, zeigen aber genauso den Jungen, der trotz der Gefahr, von den Fahndern entdeckt zu werden, immer wieder Kontakt zu seinen Eltern sucht.

Veiels Sache ist das Zuhören, das Hinschauen - mit der nötigen moralischen Enthaltsamkeit, zu der sich zu viele Dokumentarfilmer, vor allem wenn es um hochpolitische Sujets geht, allzu oft nicht durchringen können. Das Bild der Black Box, des Regelsystems Bundesrepublik, dessen innere Abläufe und Zusammenhänge weitgehend im Dunkeln bleiben, denkt er konsequent zu Ende und erzählt statt deutscher Geschichte die Geschichte zweier Menschen.

[ Sylvia Görke ]

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