CH 2025, 128 min
FSK 12
Verleih: Rise And Shine
Genre: Dokumentation
Regie: Christian Frei
Kinostart: 16.04.26
Christian Frei hat sich einer Frage gewidmet, die in den öffentlichen Krisen-Diskursen der jüngeren Vergangenheit fast ein wenig in Vergessenheit geraten ist: Wo liegen die Ursprünge der Corona-Pandemie? Und daran anschließend: Wie lassen sich künftige Pandemien verhindern? „Fledermäuse, Politik und ein Planet aus dem Gleichgewicht“ lautet der Untertitel dieses Dokumentarfilms. Der Schweizer Regisseur nimmt darin drei Wissenschaftler in den Blick, die sich mit Fledermäusen, Viren und der Krankheitsübertragung von Tier zu Mensch befassen.
BLAME zeichnet über die vergangenen Jahre nach, wie Warnungen ignoriert wurden und Forschungen mit den Einflüssen und Strategien politischer Strippenzieher kollidierten. Frei setzt dabei auf einen Mix aus Voice-Over-Texten, Interviews,
Ortserkundungen, medialen Fundstücken und einigen beeindruckenden Drohnenflügen. So heftet sich die Kamera etwa an Fledermäuse, die gerade aus einer Höhle flattern. Das trägt im Pathos der formulierten Texte und musikalischen Untermalung manchmal allzu dick auf, weiß aber das Bedrohliche, Erschütternde, auch das Melancholische durchaus mit einer komplex recherchierten Spurensuche zu fundieren. Sie muß natürlich Eingrenzungen vornehmen.
Doch plötzlich geht es da nicht mehr nur um die Corona-Pandemie, sondern allgemein darum, wie Wissenschaft zur Basis von Verschwörungsmythen und von Politikern mißbraucht, verleugnet oder zur Zielscheibe stilisiert werden kann. Alles für die Machtinteressen. Vor allem aber ist BLAME ein sehenswertes Zeugnis, wie schwer die Ohnmacht heute wiegt, derlei globale Einschnitte zu verarbeiten, gerade in ihren offenen Fragen. Man flüchtet sich also in Erzählungen.
[ Janick Nolting ]