D 2019, 88 min
FSK 16
Verleih: Salzgeber

Genre: Drama, Liebe, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Emma Drogunova, Sarah Mahita, Slavko Popadic, Kasem Hoxha, Emma Torner

Regie: Ali Hakim

Kinostart: 24.10.19

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Bonnie & Bonnie

Es könnte so schön sein …

Hamburg nennt seinen Stadtteil Wilhelmsburg „jung, multikulturell und lebendig“ – was, glaubt man dem Drehbuch, z.B. bedeutet, daß sich die dortige Jugend nonstop „Fotze“, „Schlampe“, „Pisser“, „Spast“ etc. schimpft (es nervt!) und ihre Freizeit mit Pranks füllt, auf Likes-Jagd sogleich online gestellt. Bei einem dieser Streiche soll Yara die toughe Kiki hochnehmen, hat dafür Momente danach ein Messer am geritzten Hals. Aber nicht nur Yaras Schneewittchenhaut wurde verletzt, parallel gab’s einen Stich im Herzen.

Klar, es segeln zwei bald verknallte Mädchen auf stürmischer Gefühlssee: Yara, albanischer Abstammung, vom alleinerziehenden Vater praktisch überwacht, die Zwangsverheiratung wartet. Und Kiki, Ex-Knastinsassin, großmäuliger Bürgerschreck, verletzte Seele. Das muß unvermeidlich Reibung provozieren, sowieso gefällt es der Kunst ja ungemein, etwas Reines wie Liebe ständig zum Trauerspiel zu machen. Das hiesige Problem umreißt jene Einlassung bereits recht treffend: Die Mädels sind authentisch süß, ihre vorsichtige Annäherung lugt ehrlich hinter lässige Fassaden, fängt verstohlene Blicke und läßt freches Grinsen zu, als der erste Schritt getan wurde, tapsig offensiv: „Die Limo geht auf mich!“ Später dann befreites Lachen, Küsse, sexuelles Begehren. Die Versatzstücke greifen perfekt ineinander, auf vielerlei Ebenen blitzt Schönheit, aus oft ans Poetische angeschmiegten Bildern, knisterndem Funkenflug.

Doch das Drama lauert ja direkt nebenan, es umzingelt unsere beiden Entflammten in Form restriktiver Regeln, reaktionärer Wertevorstellungen. Erschwerend warf außerdem Yaras Bruder ebenfalls ein Auge auf Kiki, es bleibt dem „abartigen Abschaum“ bloß der aussichtslose Kampf, virale Aufmerksamkeit erregende kriminelle Abstecher inkludiert.

Wodurch vormalige Zartheit in aufgesetzten kleineren Gewaltspitzen verpufft, jede Hingabe dem Schallpegel geifernden Dauergeschreis zum Opfer fällt, und sämtliche Hintergründigkeit unter veräußerlichten Dialogzeilen begraben liegt. Immerhin ließe sich der Song-Soundtrack weiterhin gut verkaufen, alles sieht (am unbedingten Willen zur Coolneß vorbeigeschaut) unverändert klasse aus, natürlich steuern die tollen Nachwuchsdarstellerinnen zum Wuchern geeignete Pfunde bei.

Selbst sie verhindern allerdings nicht, daß der Regisseur etwaige Geschichtskenntnis schließlich fragwürdig übertreibt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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