Originaltitel: BOOK CLUB

USA 2018, 104 min
FSK 0
Verleih: SquareOne

Genre: Komödie, Romantik

Darsteller: Diane Keaton, Jane Fonda, Candice Bergen, Mary Steenburgen, Craig T. Nelson, Andy Garcia, Don Johnson, Richard Dreyfuss, Alicia Silverstone, Ed Begley Jr.

Regie: Bill Holderman

Kinostart: 13.09.18

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Book Club

Vier Fälle für Mr. Grey

Carol kann nur mühsam ungezähmte Begeisterung heucheln: Als Geschenk zum x-ten Hochzeitstag hat der patente Gatte Ohrenstöpsel gewählt. Vivian dagegen zerrte gerade einen uniformierten Herrn in ein abgelegenes Zimmer ihres Hotels. Sharon wiederum verlor den Mann erst an die Arbeit und dann eine gutmütig-bekloppte Halb-so-Alte. Diane schließlich ist noch nicht lange Witwe und aus Gram gebeugt – ein winziges bißchen. Vielleicht. Während einsamer Sekunden.

Da jenes Quartett bereits seit ungezählten Monden tiefe Freundschaft und den titelgebenden Buchclub pflegt, bleiben solche Momente aber Ausnahmen, derzeit beackert „Fifty Shades Of Grey“ bislang eher brache Themenfelder. Unverhohlen wird auf die Werbetrommel gedroschen, braucht E. L. James eine neue Wochenendvilla? Egal – die Damen jedenfalls benötigen offenbar allesamt einen bedürfnisabgestimmten Christian Grey. Wie die literarisch blasse Peitsch-mich-nimm-mich-lieb-mich-Saga daher emotional und/oder erotisch mangelversorgte Grazien reiferer Klasse erweckt, ist fortan zu sehen. Und unter uns: Was erwarten Sie von einer Ladies-60+-im-Taumel-des-zweiten-Frühlings-Komödie? Aus Hollywood? Mit der dauernervös hibbelnden Diane Keaton, welche es nach eigenen Angaben glücklich stimmt, viele unsichere Frauen gespielt zu haben?

Nun, Sie bekommen es: Probleme quasi zerstäubende Realitätsflucht de luxe, sich angesichts der wohl recht unerwartet eingetrudelten Rollen dezent bis deutlich exaltiert gebärdende Darstellerinnen bester Laune, entspanntes Erzählen ohne aufs Gemüt drückenden Ballast. Oft zwar süßlich, häufiger jedoch wirklich süß; exemplarisch dafür steht etwa eine Szene, die Jane Fonda (deren erstaunende Schönheit vermutlich nicht allein auf irgendeine revolutionär zusammengepanschte und angefärbte Nachtcreme zurückzuführen ist ...) und den sonstwo aufgegabelten Don Johnson gemeinsam im Brunnen planschen läßt. Unbeschwert, leicht – fast jugendlich.

Dazu mancher überraschend knackige Dialog und unverschämt unerschrocken ausgestelltes Gefühl statt schüchternen Feinsinns, schon haben sie uns in der Hand, vier starke Frauen, die eben nicht „People Who Stop Living Before They Start Living“ sein wollen. So wie Dianes treffend gezeichnete, sich hingebungsvoll an Konventionen klammernde Töchter – fatale geistige Frühverkrustung, ein nicht selten beobachtbares modernes Phänomen.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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