Originaltitel: BORG/MCENROE

DK/Finnland/S 2017, 100 min
FSK 0
Verleih: Universum

Genre: Drama, Sport

Darsteller: Sverrir Guðnason, Shia LaBeouf, Stellan Skarsgård

Regie: Janus Metz Pedersen

Kinostart: 19.10.17

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Borg/McEnroe

Punktsieg über alle Runden

Wenn man die Namen der Tennisspieler Björn Borg und John McEnroe im Doppelpack googelt, stößt man auf Artikel und Beiträge, in denen plötzlich bei noch jedem Sportreporter literarische Ambitionen hervorbrechen. Mensch, wie da die Metaphern flattern! Von „Feuer und Eis“, „Ruhe gegen Aggressivität“, gar „Gut gegen Böse“ ist da etwa die Rede, oder es wird auf „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ Bezug genommen; was bei etwas genauerer Betrachtung freilich ein recht hinkender Vergleich ist, aber was soll’s. Spinnt man das jedenfalls weiter, dann muß der Zweikampf zwischen Björn Borg und John McEnroe nicht nur „einer der größten in der Geschichte des Sports“, sondern geradezu die Mutter aller Schlachten gewesen sein. Und das auf dem heiligen Rasen von Wimbledon!

Anno 1980 war das. Und selbst, wenn einem Sport im allgemeinen und Tennissport im speziellen eher wurscht sein sollte, kann man sich in Anbetracht von Janus Metz Pedersons schlicht BORG/MCENROE genannten Film eines „Mensch, wie spannend!“ nicht wirklich erwehren. Daß man das Ergebnis dieses ja tatsächlich legendären Matches, den Ausgang des Duells also, kennen mag, spielt da keine wirkliche Rolle.

Okay, ein bißchen von Vorteil ist Unwissenheit vielleicht doch. Wer damit gesegnet ist: Jetzt bloß nicht googeln. Bis es indes in BORG/MCENROE zum großen Wimbledon-Showdown kommt, inszeniert Pederson diese zwei Sportler in klaren, knapp komprimierten Szenen als Spiegelbilder. In Rückblenden, welche die ja wirklich gravierenden Unterschiede zwischen diesen beiden Typen zeigen. Und genau darin die Gemeinsamkeiten in ihrer Empfindungs- und Charakterstruktur offenlegen. Die Einsamkeit, Besessenheit und Egozentrik, die Prägungen durch die Eltern, dieses schwer zu beschreibende Aufgehen in diesem Sport, das weit über eine bloße Dimension von Technik und Kondition hinauszureichen scheint. Wie beide sich jeweils unter extremster Anspannung zu sammeln und zu konzentrieren vermögen. Zu kämpfen.

Man sieht hier Zwei, die sich im Kern ähnlicher und auch näher sind, als die jeweilige Art und Weise der Erscheinung und ihre Gegnerschaft sowieso vermuten lassen. Und man sieht Sverrir Guðnason (Borg) und Shia LaBeouf (McEnroe), die ganz in diesem klug inszenierten Spiegelspiel in ihren Rollen aufgehen. Ein Psychogramm liefern, ohne zu psychologisieren, in einem Film, der über alle Runden punktet. Herrliche Frisuren und Outfits im 70er-Look inklusive.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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