Originaltitel: BRASSERIE ROMANTIEK

Belgien 2012, 97 min
FSK 12
Verleih: Rendezvous

Genre: Liebe, Tragikomödie

Darsteller: Sara de Roo, Axel Daeseleire, Filip Peeters

Regie: Joël Vanhoebrouck

Kinostart: 12.02.15

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Brasserie Romantiek

Liebe geht immer noch durch den Magen

Schon der Name dieser mit einer Kochmütze vom Gault Millau gekrönten Brasserie zergeht ja auf der Zunge. Weitere Ehren werden anvisiert, dazu eignet sich der Valentinstag. Alle Tische sind reserviert, ein spezielles Menü lockt, noch herrscht gute Stimmung, obwohl der Oberkellner mal wieder durch Abwesenheit glänzt. Chefin Pascaline, deren trinkfreudiger Bruder kocht, hat indes keine Zeit, über möglichen Rausschmiß des notorisch Verspäteten zu sinnen, denn schon treffen die ersten Gäste ein – darunter Frank, ihre einstige Liebe. Wacker ignoriert er Pascalines kühlen Empfang, schlägt stattdessen vor, gemeinsam nach Buenos Aires zu flüchten, jetzt sofort!

Und nun geht’s rund: Während Pascaline das Angebot prüft, erwachte Sehnsüchte gegen Verantwortungsgefühl abwägt, trägt ein bereits lange entfremdetes Paar Streitigkeiten öffentlich aus, oder will ein Sugar Daddy die blutjunge Geliebte beeindrucken. Nicht zu vergessen jener leicht autistisch wirkende Ordnungsfreak, welchen sein Internetdate stark fordert, sowie eine schöne Blondine, deren Mann sich der einst besten Freundin zuwandte. Wahlweise quasi gefangen in Gastraum oder Küche, müssen sämtliche Anwesenden gegen schlecht verheilte Wunden kämpfen, wobei verkrustete Beziehungen zerbrechen, neue entstehen, geschwisterliche Rivalitäten zum Gesprächsthema geraten und ganz nebenbei die Leistungsmoderne böse grinst – ein Wirbel der Zwischenmenschlichkeiten.

Angenehm zurückhaltend kommt dieser Liebesreigen daher, man knufft den Nebenmann glücklicherweise eben nicht schenkelklopfend in die Seite, leiser Humor schwebt zwischen den Tischen, stets ganz echt, auch wunderbar scharfsinnig und vor allem -züngig, dargeboten von Schauspielern auf höchstem Niveau. Die Ausgewogenheit bringt wie so oft den Erfolg, das Pendeln zwischen Komik und Tragik, nachvollziehbar, wirklich gefühlt, real eben. Dazu schwingen sich verträumte musikalische Weisen zum heimlichen Nebendarsteller auf, das eher dünn gesäte Maß an visuellen Reizen locker wegzaubernd.

Was hier gelingt, ist ein wohlschmeckender Gegenentwurf zur üblichen, hemmungslos verkitschten Hollywood-Zuckerbombe. Wer es demnach weniger süß mag, sich vielleicht sogar ein klein wenig die Zähne ausbeißen, dafür allerdings den vollen Geschmack genießen möchte, sei herzlich eingeladen, ein köstliches Kino-Menü mit fünf Sternen zu goutieren.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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