D 2017, 88 min
FSK 6
Verleih: UCM.One

Genre: Dokumentation, Drama, Musik

Darsteller: Zoltan Paul, Tomoko Inoue, Clementina Hegewisch, Julian Adam Pajzs

Regie: Zoltan Paul

Kinostart: 30.08.18

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Breakdown In Tokyo

Mit Cioran verloren in Japan

Der rumänische Philosoph Emil Cioran (1911-1995) war ein Genie des Verdrusses. Ein Virtuose der Negation aller Menschheitshoffnungen, ein grandioser Griesgram. Allein diese Buchtitel: „Auf den Gipfeln der Verzweiflung“, „Vom Nachteil, geboren zu sein“, „Lehre vom Zerfall“ ... Ein Abgesang auf den Anderen, voll der gern in aphoristischer Verknappung gehaltenen Sentenzen, die Cioran dem Leser gern auch mal wie Knochen hinzuwerfen pflegte. Auf daß man sich die letzten Milchzähnchen der Zuversicht dran ausbeiße.

Über jedwedes Milchzahnstadium ist der Regisseur Zoltan Paul längst hinaus. Über jegliche Zuversicht auch. Ein Mann Anfang 60 und ganz und gar in der Sinnkrise, die freilich auch nicht besser wird, als ein neues Filmprojekt Zoltans kurzfristig scheitert. So hat der plötzlich Zeit, Sohn Julian und dessen Band PeroPero bei einer Japan-Tournee zu begleiten. Und ja: warum bei der Gelegenheit nicht auch gleich einen Dokumentarfilm über diese Tour drehen? Eigentlich keine schlechte Idee. Nur daß, als Zoltan die junge Tourmanagerin Nahoko kennenlernt, die geplante Musik-Doku sich zur Dokumentation des Scheiterns eines Mannes wandelt, der in waidwunder Egomanie einen Fehler nach dem anderen macht.

Etwa eben, während der Tour eine Affäre anzufangen und diese Affäre noch während der Tour zu beenden. Was sagt Cioran dazu, den Zoltan wie einen Anti-Schutzheiligen ständig im Munde führt? „Solange man begehrt, lebt man in der Unterwerfung, ist man der Welt ausgeliefert. Sobald man zu begehren aufhört, genießt man die Vorrechte eines Gegenstandes – und eines Gottes.“

Oder macht sich zum Deppen. Was BREAKDOWN IN TOKYO dann an Zoltan gnadenlos vorführt. Das Kunststück dabei: diesen Kerl weder zu bedauern noch zu verdammen. Regisseur Zoltan Paul, der hier den Regisseur Zoltan Paul spielt (so wie etwa dessen Sohn Julian dessen Sohn Julian spielt), spielt dabei auch mit einer geschickten Wirklichkeits-Behauptung die Suggestion durch, er sei tatsächlich der Regisseur, der er zu sein in diesem Film vorgibt.

Ja, klingt wirr irr und ist es auch. Daß Paul dabei dennoch ein kleiner, sehenswerter und trotz aller Cioran-Einflüsterungen nicht nur lebenskluger, sondern auch lebensbejahender Film gelungen ist, kann da nur bedeuten, daß der Mann seine Sinnkrise erfolgreich überwunden hat. Falls ihn denn je eine plagte. Also in Wirklichkeit ...

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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