Originaltitel: BUÑUEL EN EL LABERINTO DE LAS TORTUGAS

Spanien/NL/D 2018, 80 min
FSK 12
Verleih: Arsenal

Genre: Animation, Biographie, Drama

Regie: Salvador Simó

Kinostart: 26.12.19

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Buñuel im Labyrinth der Schildkröten

Die Suche nach der verlorenen Wirklichkeit

Es ist eine Tugend des sogenannten Biopics geworden, nicht mehr das ganze Leben einer Persönlichkeit vor den ermüdenden Augen des Kinozuschauers abzuspulen, sondern sich auf eine einschneidende Episode zu beschränken. Ein Glück, denn meistens gewinnt das Projekt an Tiefe und erzählerischer Freiheit. Noch mehr Freiheit kommt hinzu, wenn auf Schauspieler verzichtet wird. Zumindest für einen Film über den großen Surrealisten Luis Buñuel hat die Animation klare Vorteile. Nicht nur schafft sie reibungslose Übergänge zwischen der äußeren und der inneren (gelebten und geträumten) Welt. Sondern (es mag widersprüchlich klingen) durch die Animation gewinnt der Film zugleich an Glaubwürdigkeit. Und mit der haben Biopics ja oft ihre Probleme.

Das Jahr 1932. Buñuel befindet sich nach dem Erfolg von EIN ANDULUSISCHER HUND und dem Skandal von DAS GOLDENE ZEITALTER in einer Schaffenskrise. Niemand in Paris will ihm noch einen einzigen Franc anvertrauen, und die künstlerische Avantgarde schlägt sich angesichts der politischen Weltlage (Phantasmagorien übernehmen die Macht) über die Funktion der Kunst die Köpfe ein. Da stößt Buñuel auf einen ethnographischen Bericht über einen vergessenen Flecken Erde mitten in Spanien: LAS HURDES – LAND OHNE BROT soll den in kompletter Abgeschiedenheit und Armut lebenden Menschen dieser Gegend ein Gesicht geben.

Mit dem glücklichen Lottogewinn seines Freundes und Koproduzenten Ramón macht er sich auf zu neuen Ufern, seinem ersten Dokumentarfilm. Ein Surrealist dreht einen Dokumentarfilm? Das ist die wundervolle Ausgangslage für eine Reflexion über das Verhältnis von Realität und künstlerischer Wahrheit. Darf man der Wirklichkeit auf die Sprünge helfen, notfalls mit Geld oder dem Revolver? Darf man eine Beerdigung nachdrehen und als echt ausgeben? Und ist die Wahrheit am Ende nicht doch bloß eine Reproduktion der eigenen Kindheitsbilder?

Das sind grundlegende Fragen des dokumentarischen Filmschaffens, die mit viel Humor und Liebe zum skurrilen Detail dramatisch verdichtet werden. Buñuel selbst, verschwenderisch, selbstherrlich und doch treu gegenüber seiner Idee, treibt seine kleine Filmcrew im Irrgarten der filmischen Repräsentation dabei fast in den Wahnsinn. Und je länger er in der kargen, brotlosen Gegend verweilt, desto mehr wird er ein Teil davon. So entsteht ein mitreißender Film über ein Stück Filmgeschichte.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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