Originaltitel: CAMINO A LA PAZ

Argentinien/NL/D 2017, 94 min
FSK 0
Verleih: ImFilm

Genre: Roadmovie, Tragikomödie

Darsteller: Rodrigo de la Serna, Ernesto Suárez

Regie: Francisco Varone

Kinostart: 07.06.18

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Camino a La Paz

Zum inneren Frieden holpern

Wären da nicht die Mobiltelefone, könnte man glauben, der Debütfilm von Francisco Varone spielte vor etwa 40 Jahren. Schließlich trägt sein Protagonist Sebastián einen 70er-Jahre-Gedächtnis-Schnauzer und fährt einen alten Peugeot eben aus dieser Zeit. Aus den Lautsprecherboxen des Autos dröhnt außerdem die Musik von „Vox Dei“, einer argentinischen Rockband, deren musikalische Erfolge ebenfalls von damals stammen. Auch das Thema von CAMINO A LA PAZ ist wahrlich kein neues: Zwei gegensätzliche Reisegefährten wider Willen kommen sich im Laufe des beschwerlichen Weges näher und lernen voneinander eine Lektion fürs Leben, inklusive spiritueller Läuterung.

Besagter Sebastián ist ein recht ungehobelter Klotz, der mit seiner frisch angetrauten Ehefrau erst kürzlich ein neues Haus bezogen hat. Durch einen Zufall ergattert der Arbeitslose einen ungewöhnlichen Chauffeursjob: Er soll einen betagten Moslem namens Jalil von Buenos Aires ins 3000 Kilometer entfernte La Paz in Bolivien zu dessen Bruder bringen. Aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen kann der Alte weder Flugzeug noch Bus nehmen. Der schwer nierenkranke Jalil ist ein korrekter Menschenfreund par excellence, der schon mal Straßenhunde und Wegbekanntschaften ohne Sebastiáns Zustimmung ins Auto einlädt und sich auch durch einen Überfall nicht aus seiner unerschütterlichen Ruhe bringen läßt.

Natürlich fällt irgendwann auf diesem Trip die rotzige Fassade Sebastiáns. Er freundet sich trotz aller kulturellen Gegensätze mit dem tiefreligiösen Alten an und findet darüber seinen eigenen Weg zum inneren Frieden – wie es bereits der doppeldeutige Filmtitel ankündigt. Das Problem ist nur, daß man der Figur diese Wandlung nicht recht abnimmt. So wirkt eine ausgewalzte muslimische Gebetszeremonie inklusive Sufi-Tanzeinlage auf den Betrachter in erster Linie folkloristisch-befremdlich. Daß der abgebrühte Großstädter Sebastián ausgerechnet dadurch spirituell erwacht, erscheint doch sehr konstruiert. Die zahlreichen religiösen Einsprengsel in der Handlung geraten zudem recht aufgesetzt.

Nun ist es generell eine filmische Herausforderung, für die innere Wandlung eines Protagonisten eindrückliche Bilder zu finden. Das gelingt Francisco Varone allenfalls in Ansätzen. Sein Roadmovie enthält alle bekannten Zutaten des Genres und schmeckt wohl gerade deshalb eher fade als anregend.

[ Dörthe Gromes ]

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