Originaltitel: CHEVALIER

Griechenland 2016, 105 min
FSK 6
Verleih: REM

Genre: Satire, Drama

Darsteller: Panos Koronis, Vangelis Mourikis, Makis Papadimitrou

Regie: Athina Rachel Tsangari

Kinostart: 21.04.16

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Chevalier

Primatengerangel auf der Luxus-Yacht

In CHEVALIER ist der titelgebende Chevalier kein Ritter, kein französischer Galan ohne Furcht und von Adel, sondern ein schlichter Siegelring. Und als solcher eine Trophäe. Der erste Preis, das Symbol eines echten Triumphes, errungen im Spiel um den Status des wahren Alpha-Mannes unter Alpha-Männchen.

Sechs Kerle, unterschiedlich, was Alter, sozialen Status und auch IQ angeht, schippern zusammen auf einer Luxus-Yacht durch die Ägäis. Das ist die schlichte Grundkonstellation, von der aus der neue Film der Regisseurin Athina Rachel Tsangaris (ATTENBERG) seine kleine, bitterböse Odyssee ins Innenleben des wahrlich nicht nur griechischen Gegenwartsmannes angeht.

Gleich einem Versuchsprotokoll entspinnt sich in CHEVALIER vor einer kühl beobachtenden Kamera ein absurdes Spiel, das sich die Probanden dieses Spiels selbst ausdachten. Getrieben von dem, was Männer eben antreibt: Es ist das zeitgemäße Update eines Primatengerangels, was hier zu erleben ist und welches nur an der Oberfläche einer gewissen Langeweile an Bord entspringt, als man darauf verfällt, sich in einem Wettbewerb zu messen. Einem Wettbewerb, der alles beinhaltet, was einen Mann irgendwie ausmacht. Ein Schwanzlängenvergleich (und das ist hier mitnichten nur metaphorisch gemeint), der immer aberwitzigere Züge annimmt. Gilt es erst, nur mit handwerklichem Geschick etwa ein IKEA-Paket zu bewältigen, legt man wenig später beim intimen Telefonat mit der Gattin vor versammelter „Mannschaft“ schon eine Schaufel mehr aufs Feuer dieses Spiels, das zunehmend als eins immer perfiderer Demütigungen und immer schwerer zu kaschierender Aggressionen brennt.

Es hat dabei durchaus etwas Süffisantes, wie Tsangari das in Szene setzt. Und zwar genau deshalb, weil alles hier in einer wohltemperierten Distanz bebildert ist. Das Modell „Mann“ erscheint als ein Auslaufmodell. Und man begreift das gleich zu Beginn des Films, wenn man sieht, wie diese Kerle in Taucheranzügen aus dem Meer krabbeln. Als seltsame, auch seltsam lächerliche Wesen auf der Bildfläche erscheinend. Eine hübsch-gallige Evolutions-Metapher, auf die hin diese Herren der (verfehlten) Schöpfung fortan ihren destruktiven Narzißmus geradezu kultivieren müssen. Ein Blickwinkel, der insgesamt zwar an seiner etwas feministisch verengten Perspektive kranken mag, der deshalb aber noch lange nicht verkehrt ist.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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