Originaltitel: COLETTE

GB/USA/Ungarn 2018, 111 min
FSK 6
Verleih: DCM

Genre: Biographie, Drama

Darsteller: Keira Knightley, Dominic West, Eleanor Tomlinson, Fiona Shaw, Aiysha Hart

Regie: Wash Westmoreland

Kinostart: 03.01.19

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Colette

Drei Frauen wollt’ sie (mindestens) sein

Keira Knightley verriet, durch Kostümrollen ihren Eskapismus zu befriedigen. Das ist – hauptsächlich für sie – schön. Den Zuschauer packt beim Anblick des Vorgangs zwar selten identische Zufriedenheit, aber hey, wir können gute Nachrichten überbringen: Als COLETTE spielt Knightley die volle, ungezügelte Bandbreite ihrer drei gängigen Gesichtsausdrücke aus. Weswegen vereinzelt US-Kollegen bereits OSCAR-Ehren anregten, allerdings sollten selbige viel eher den fünf fürs Szenenbild zuständigen Menschen zuteil werden. Was nämlich dieses Quintett an regelrecht orgiastischer Magie zaubert, preßt Knightley und Kollegen locker an die nächste wunderhübsche Wand. Wo vermutlich einst schon Gabrielle stand, mit dem Rücken dagegen, in die Enge getrieben, schwer Atem schöpfend.

Der um einiges ältere und recht egomanische Gatte Willy schleppt die bezopfte Unschuld vom Land gen Paris, wo garstige Zungen sie als „Kind der Liebe“ verspotten. Eines führt bekanntlich zum anderen, hier nun Einsamkeit dazu, daß Gabrielle, sich jetzt Colette nennend, Romane verfaßt. Als Protagonistin dient eine gewisse Claudine, unabhängig, selbstbewußt, etwas flatterhaft. Also ihrer Zeit weit voraus. Willy veröffentlicht die Bücher unter seinem Namen – sie schlagen bombengleich ein. Colette schreibt weiter, den Ruhm erntet unverändert ihr Mann …

Es wurde errichtet: ein Denkmal für die erste Frau, welche jemals in Frankreich ein Staatsbegräbnis erhielt, vorher beispielsweise zum Grand Officier der Ehrenlegion aufstieg. Gabrielle, Colette, Claudine: drei Seelen in einem Körper. Das einberechnet, gibt sich jenes Biopic letztlich doch etwas vereinfacht, zentriert eine Emanzipationsgeschichte, die hochgestecktes Haar fortschreitende Reife symbolisieren läßt, Colettes zunehmend nachdrücklicheres Erwachen,

lesbische Affären, den späten Ruhm. Dennoch hat man seit einiger Zeit nicht mehr so gern hingeschaut, sich entlang der auf attraktive Eckpunkte reduzierten Geschichte interessiert treiben lassen, richtig großen Emotionen (Anschreien im hallenden Hinterhof verstärkt den dramatischen Effekt bestens) beigewohnt, den verlogenen Drecksack Willy inbrünstig verachtet und gemeinsam mit dem Ensemble über technische Innovationen – elektrisches Licht, wow! – gestaunt, satte Sinnlichkeit pulsiert allerorten. Gönnen wir dem Kopf daher ohne Groll vorübergehend eine Erholungspause.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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