D/Finnland 2016, 110 min
FSK 12
Verleih: W-Film

Genre: Dokumentation, Polit

Regie: Kirsi Marie Liimatainen

Kinostart: 18.08.16

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Comrade, Where Are You Today?

Suche nach dem verlorenen Traum

Das Gelände der FDJ-Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“ gleicht heute einer dichtbewachsenen Brache. Die Natur kam zurück, und damit ist auch Gras über die Aufbruchstimmung, den Kampfgeist und den Optimismus gewachsen, den dieser Ort in der DDR akkumulieren sollte ,und den Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen in Archivbildern aufblitzen läßt. Hier am Bogensee, in der Nähe von Ostberlin, sollten „Kampfreserven der Partei“ ausgebildet werden. Und sie kamen zu Tausenden in Delegationen aus über 80 Ländern. Über 40 Jahre lang.

Heute, nach über 20 Jahren, steht Liimatainen wieder an diesem Ort, der für sie als junge Frau als Sehnsuchtsort galt. Aus einer finnischen Arbeiterfamilie stammend, die Großmutter Kommunistin, hatte auch sie sich dem Kampf für eine bessere, gleichberechtigte Welt verschrieben. Doch das Studienjahr der Filmemacherin endete im Sommer 1989, und mit dem Fall der Mauer und dem Untergang des Sozialismus verlor sich die Spur ihrer Kommilitonen. Doch was ist aus den Idealen, den Träumen geworden? Diese Frage trieb Liimatainen an, sich auf die Suche nach den Menschen zu begeben, mit denen sie über ein Jahr Gedankenkonstrukte und Ideen geteilt hatte.

Bezeichnenderweise sucht sie nicht nach ehemaligen FDJlern aus der DDR, nicht nach Dänen oder eben Finnen. Schon vor 20 Jahren waren es die Kämpfer aus Chile, Bolivien, Südafrika, die sie begeisterten. Die echten Helden waren Che Guevara, Mandela, Allende, nicht die Altherrenriege um Honecker. Das bestätigen auch ihre Protagonisten, die sie nach langer Suche findet, denn in Bogensee hatten alle Decknamen, so Nidia alias Lucia aus Bolivien, Marcelino (Deckname Esteban) aus Chile, Nabil von der libanesischen Delegation. Sie waren enttäuscht vom realen Sozialismus in der DDR. Er hatte nichts mit ihren Vorstellungen einer Revolution gemein. Der Traum, „Teil eines Geheimnisses DDR“ zu sein, wie Nidia es bezeichnet, wurde für sie zur Erkenntnis, daß sowohl der Sozialismus als auch der Kapitalismus westliche Ideologien sind, die nichts mit ihrer indigenen Identität zu tun haben. Ihr Kampf wurde ein anderer, heute arbeitet Nidia als Heilerin und hat sich von der Linken Partei Boliviens abgewendet.

Ähnliche Ernüchterung findet die Filmemacherin im Libanon, in Südafrika und in Nicaragua. Auch die Linke hat in der realen Politik versagt. Geblieben sind bei allen die Ideale im Herzen, die Hoffnung auf einen echten Sozialismus.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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