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Dahmer

Trotz aller - und wahrscheinlich gerade wegen ihrer - Bestialität faszinieren Serienmörder, Menschenfresser und intelligente Schlächter unbescholtene Menschen. Natürlich auch deshalb, weil man sich auf der sicheren Seite wähnt, so lang diese verkorksten Typen fiktionale Geschöpfe wie zum Beispiel der reizende Dr. Lecter von Thomas Harris bleiben. Schlechte Karten hat man allerdings, wenn es sie tatsächlich gibt und sich ihre Wege mit den eigenen kreuzen.

So erging es in den 80ern mehr als einem Dutzend recht gut aussehender junger Männer, die ein Schicksal teilten: sie waren ganz nach dem Geschmack von Jeffrey Dahmer. Im wörtlichen Sinne. Denn Dahmer tat die Knaben mit Unschuldsmiene in Schwulenklubs, auf der Straße und in Saunen auf, lockte sie nach Hause und bohrte ihnen Löcher in den Kopf, schüttete Säure in die betäubten Hirne, zerstückelte die Leiber und soll sie teilweise wohl auch verzehrt haben. Keine schöne Sache also, aber immerhin Stoff für einen Film, in diesem Fall einen gelungenen. In schaurig-schönen Rückblenden wird davon erzählt, wie alles begann, von ersten kleinen Lügen, über die erwachende Sexualität, von Rückschlägen des Jungen Jeffrey bis hin zur ersten Schlächterei. Hauptdarsteller Jeremy Renner, der optisch an den jungen Faßbinder erinnert, spielt sämtliche Facetten zwischen Kindsgesicht und kaltblütigem Kannibalen, zwischen Hilflosigkeit seiner kranken Seele und kalkuliertem Lustgewinn. Als Dahmer sich schließlich stellte, kam die ganze Grausamkeit ans Licht und er in den Knast, wo ihm schließlich die tödliche Attacke eines Mitinsassen Frieden brachte.

Ein im richtigen Maße voyeuristischer Film, ein nebenläufig erzähltes, aber nicht unbedeutendes Zeitdokument schwuler Subkultur und ein Psychogramm eines Suchenden, eines harmoniesüchtigen, eines vernachlässigten und eines kranken Menschen.

Originaltitel: DAHMER

USA 2002, 102 min
Verleih: E-M-S

Genre: Drama, Schicksal, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Jeremy Renner, Artel Kayaru, Bruce Davison

Regie: David Jacobson

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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