Originaltitel: DANCING IN JAFFA

USA/Israel 2013, 90 min
FSK 0
Verleih: MFA

Genre: Dokumentation, Polit, Poesie

Regie: Hilla Medalia

Kinostart: 09.01.14

Noch keine Bewertung

Dancing In Jaffa

... heißt Lernen fürs Leben

Da sitzt dieser distinguierte Mann vor einer Gruppe Eltern und möchte wissen, wie es um deren Erfahrungen mit Gesellschaftstanz steht. Nervöses Gelächter. Dann vermeldet eine Mutter, sie könne nicht akzeptieren, daß Jungen und Mädchen miteinander tanzen, aus religiösen Gründen. Ein echtes Problem für Pierre Dulaine, besagten Herrn, der in Jaffa Kindern das Tanzen beibringen will. Und zwar ohne trennende Schranken – Juden und Palästinenser gemeinsam auf dem Parkett. Eine Bewegungs-Einheit mit dem „Feind“ bilden? Unvorstellbar! Dulaine stößt an Grenzen, zu den Weltsichten Heranwachsender, wie der, daß Mädchen inakzeptabel und Jungs doof sind, gesellt sich der israelische Konflikt. Doch Dulaine gibt nicht auf.

Dieser Abbau von Vorurteilen muß zwischen Kindern funktionieren, die sich nicht mal berühren wollen, aber auch und gerade den Erziehungsberechtigten. Doppelte Arbeit also, welche in Bilder einer gespaltenen Stadt gebettet wird, Außenaufnahmen protestierender Bürger, teils Szenen der Gewalt. Intern kehrt hingegen Ruhe ein: Liebevolle Familien schützen ihren Nachwuchs, so gut es eben geht. Darunter die kleine Halbwaise Noor, sie leidet unter dem Tod des Vaters und zeigt Aggressionen. Es schnürt regelrecht die Kehle zu, wenn Noor am Grab weint, ihre Mama dagegen stark und stolz die Tränen zurückdrängt und das Mädchen im Arm wiegt. Ein zweiter Gänsehautmoment: Am Ende hat Noor das Tanzprojekt erfolgreich abgeschlossen, endlich Freunde gefunden und zeigt ihr gelerntes Können vor der Kamera.

Rührung, Tragik, Politik. Fehlt der Humor, und er kommt nicht zu kurz. Es ist unglaublich komisch, wie die lütten Profis in spe zunächst durch den Probenraum rumpeln, bis sich endlich so was wie versuchsweise Koordination der Gliedmaßen einstellt. Und ganz klare Highlights folgen, als Dulaines ehemalige Partnerin zu Unterstützungszwecken aus New York anreist. Kindliche Neugier scheint nämlich rund um den Globus ähnlichen Strukturen zu folgen, weswegen es zu erkunden gilt: Seid Ihr ein Ehepaar? Muß man zum Tanzen heiraten? Die Dame, süß wie nur was, stellt sich geduldig den Fragen, erntet schließlich ein aus Knabenmund schüchtern geflüstertes „I Love You!“ – reines Kinoglück.

Auch wenn Tanzen hier zum Glück nicht als Allheilmittel propagiert wird, bringt es die finale Texteinblendung auf den Punkt. Dort steht zuletzt: „Together.“

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.