Originaltitel: VOKSNE MENNESKER

DK/Island 2005, 106 min
Verleih: Neue Visionen

Genre: Komödie, Schräg

Darsteller: Jakob Cedergren, Tilly Scott Pedersen, Nicolas Bro

Regie: Dagur Kári

Kinostart: 12.01.06

Noch keine Bewertung

Dark Horse

Lost in Kopenhagen

Wieder kommt frischer Wind aus Dänemark, bereichert durch die isländische Gelassenheit des Regisseurs Dagur Kári. Mit NOI ALBINOI hatte er bereits einen zwar traurigen, aber wunderschönen Film gemacht. Mit DARK HORSE ist ihm nun eine Komödie der unangestrengten Art gelungen, deren geheimnisvoller Titel zwar im Dunkeln des Assoziativen bleibt, die dafür aber angenehm frei von Konventionen ist. Kári hat nicht den Anspruch, die perfekte Geschichte zu konstruieren. In treffsicheren Schwarzweiß-Bildern fügt er schön skurrile und dann wieder auch nachdenklich-melancholische Momente aus dem Alltag seiner Hauptfiguren zu einem eher entspannten und dennoch stimmigen Ablauf zusammen.

Im Mittelpunkt steht Daniel, ein junger Taugenichts, der von sich selbst sagt, er funktioniere nicht richtig. In der Tat hat er in vier Jahren offiziell nur 7 Kronen verdient. Inoffiziell sprüht er gegen Bezahlung Liebeserklärungen auf die Wände Kopenhagens. Daß er völlig verschuldet ist, kümmert ihn kaum, da er sowieso wenig mitkriegt von seiner Umgebung. Bis er sich in die Bäckereiverkäuferin Franc verliebt, die ähnlich ziellos durchs Leben wandelt. Auch Opa, Daniels bester Freund, ist in sie verliebt, jedoch völlig chancenlos. Opa arbeitet in einem Schlaflabor und ist ein Systematiker und Moralist, der sein Bedürfnis nach Regeln demnächst auch als Fußballschiedsrichter ausleben will - vorausgesetzt er besteht die Prüfung.

Alle drei passen nicht in diese Welt, sind Flüchtlinge vor der Wirklichkeit, was geschickt durch strukturbetonte Bilder mit Karomustern unterstrichen wird. Außerdem wird die Geschichte eines vorbildlichen Richters und Familienvaters erzählt, dessen Leben plötzlich aus den Fugen gerät. Unfähig so weiterzumachen wie bisher, checkt er, statt auf Dienstreise zu gehen, in einem Kopenhagener Hotel ein.

Der Film läßt sich mit seinen sympathischen Figuren treiben und leitet dabei von der heiteren Grundstimmung zu ernsteren Tönen über, ohne an Einfallsreichtum und Situationskomik einzubüßen. Ein beinahe schwereloser Film, der einfach Spaß macht und zugleich nachdenklich stimmt.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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