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Darkness Bride

Chinesisches Liebesdrama zwischen Aberglaube und Coca Cola

Ein Leben lang tragen die Menschen an der Einsamkeit. Doch wie grausam muß die Einsamkeit erst für die Toten sein? Die Bewohner eines von der Welt vergessenen Dorfes glauben fest daran, daß die unverheirateten toten Männer in ihrem Grabe einsam auf eine Braut für die Ewigkeit warten. Also sucht man ihnen solche Bräute. In seltsamen Ritualen werden die Verstorbenen nachträglich getraut. Gute Zeiten für Leichenfledderer, denn es herrscht Mangel an Frauenleichen.

Vor dem Hintergrund alter Sagen und Gebräuche, die den Menschen das Leben schwer machen, berichtet der Film von der verbotenen Dreiecksliebe zwischen dem Mädchen Quing Hua, dem liebenswerten, aber einfältigen Sissy und dem Schäfer Chun Sheng. Als das Verhältnis auffliegt, fliehen sie vor der Familie in die große Stadt. Nicht, ohne vorher einen schmutzigen Job erledigt zu haben: das Grab der Jungfrau auszuheben, deren Grabhügel wie ein Mahnmal die Steppe überragt. Aber auch in der Stadt bleiben sie nicht ungestört: die geheimnisvolle Prostituierte Yan-Yan versucht sie auseinander zu bringen. Mit den Mitteln der Verführungskunst und den Errungenschaften des modernen Chinas: Coca Cola und Kentucky Fried Chicken. Ist sie die Jungfrau, die sich an den Lebenden rächen will?

Mit bemerkenswerter Konsequenz bindet der Film das finstere Märchen immer wieder in die Wirklichkeit zurück. Der mystische Ansatz steht einem konkreten, teils dokumentarisch wirkenden Realismus nicht im Wege. Nüchtern und undramatisch erzählt, entwickelt sich das verhängnisvolle Geschehen fast wie nebenbei. Die kryptische Erzählweise dürfte für europäische Gemüter etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber durchaus lohnenswert. Die Farbe Rot zieht sich als symbolischer Leitfaden durch den ansonsten eher grauen Filmhintergrund aus staubigen Straßen und Slums: hier läßt die Kälte der Menschen einfach keinen Platz für Romantik.

Originaltitel: YOU GOU

HK/Taiwan 2003, 104 min
Verleih: Kinemathek

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Fang Jing, Tang Lu, Wu Jian, Gao Fei

Regie: William Kwok

Kinostart: 29.07.04

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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