D 2019, 89 min
FSK 16
Verleih: Missing Films

Genre: Thriller, Drama, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Bozidar Kocevski, Heiner Bomhard, Katy Karrenbauer, Oliver Sechting, Janina Helkin

Regie: Rosa von Praunheim

Kinostart: 30.01.20

Noch keine Bewertung

Darkroom

Im Dunkel bleibende Psychostudie

Rosa von Praunheim – guter Typ. Nur etwas unstet in der Qualität des filmischen Schaffens; und das meint nicht die frühen Werke wie DIE BETTWURST, wir bewegen uns schon durch die 2000er, stellen Starkes à la HÄRTE gegen beispielsweise ROSAS HÖLLENFAHRT. Und jetzt wird’s, praktisch sujetgemäß, wieder derb finster. Nicht bloß, weil der fast rührend trashige Titelnachklapp „Tödliche Tropfen“ direkt dazu motiviert, sich hysterisch gackernd im Schenkelbereich des Sitznachbarn zu verkrallen.

Obgleich es ja stimmt, Grundschulreferendar Dirk P. nutzte Liquid Ecstasy zur Tötung dreier Männer, zwei weitere Attentate schlugen fehl. „Frei bearbeitet nach einer wahren Begebenheit“ lautet eine anfängliche Information, später versichert der Abspann, jede Übereinstimmung mit realen Personen sei rein zufällig. Also doch nicht? Ach, geschenkt, Dirk heißt nun Lars, Krankenpfleger, leidet eifersüchtig unter einer offenen Beziehung, selbige wünscht und lebt mehrheitlich Freund Roland.

Lars steht eben wegen obigen dreifachen Mordes vor Gericht, die Anklage führt eine besonders garstig aufgelegte Katy Karrenbauer. Diese Dominanz, das verkniffene Gesicht, der bellende Ton! Und irgendwann kurz vor Ende eine neuerliche Aufforderung zu grölendem Gelächter, als sie Lars in dessen Horrorvision an die Kehle springt. Buchstäblich! Dabei dachte man bis dato, Großmutters Wutanfall angesichts ihres unzüchtigen schwulen Enkels sei bereits der Höhepunkt unfreiwilliger Komik gewesen – wir lassen Gekeife, Stockschwünge und Bettflucht auf uns wirken …

Oma muß auch für psychologische Reißbrettarbeiten herhalten, bigott frömmelnd und grenzverrückt böse Saat säen. Von Praunheims Abgrundauslotung präferiert solche düster dräuenden, letztlich indes hohlen Schattenspiele, allerlei Zeitebenen sollen inhaltlichen Anspruch generieren, Gegenpole zu erotischer Leichtigkeit bilden: Hier blickt die Kamera auf leider nicht allzu prall gefüllte Slips, dort gibt’s musikalisch nervig unterfütterten Sex im – zum Zwecke der garantierten Erkennbarkeit toll hell ausgeleuchteten – Darkroom, das Schauermärchen vom zur Bindung unfähigen Homosexuellen tönt. Und wie so oft sieht alles billig aus, da hilft selbst die vorgeschobene stilisierte Bühnenästhetik kaum, welche nahezu leere Räume zur künstlerischen Absicht erklärt.

Sorry, Rosa, das war echt gar nix. Trotzdem – guter Typ.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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